Holzhais Haibike SDURO Trekking S8.0 mit Yamaha PW (10.000km+)

Die Pendelstrecke von 43km mit 900Hm zurücklegen? Ohne Auto? Bei Kälte in der Dunkelheit mit Nieselregen? Melder holzhai nimmt kein Blatt vor den Mund. Er nennt Stärken und Schwächen des Haibikes begleitet von Kommentaren zu gesetzlichen Rahmenbedingungen und seiner persönlichen Lösung des Problems.

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„Es war die beste Anschaffung der letzten Jahre!“

Motivation: „Schon wieder der Bericht eines S-Pedelec-Fahrers! Das wird daran liegen, dass man als S-Pedalist kaum um das Thema aktuelle Gesetzeslage herumkommt, also sich bewusst machen muss, was der Kauf eines S-Pedelecs bedeutet.“

Recherchieren und Abwägen:Ich muss zugeben – mir war es wenig bewusst. Denn ich kam zu meinem „Speedy“ fast wie die Jungfrau zum Kind. Ich habe mir im Frühjahr 2018 das Flyer TX von meinem Freund und Blog-Teilnehmer tgindia_fly ausgeliehen, um damit direkt von ihm aus die knapp 30 km zu meiner Arbeitsstelle zu radeln.

Ich glaube, bereits nach 5 Sekunden war ich auf Speed und bekam das Grinsen im Gesicht kaum wieder weg. Es machte unglaublich Spaß, in den 30er Zonen mit dem Autoverkehr mitzuschwimmen und auf freier Strecke bis über 40 km/h zu beschleunigen! Am nächsten Werktag ging ich zum Händler und kaufte mir das Haibike, welches tgindia_fly ja als Vorgänger seines Flyers gefahren war, allerdings die Variante mit Yamaha PW Motor. Den wollte ich haben, damit der Preis des Fahrrads in einem von mir akzeptablen Rahmen blieb (ca. 3200 EUR) und weil der Yamaha-Motor besser entkoppelt als der Bosch der damaligen Generation.

Jedenfalls – von gewissenhaften Recherchen und Überlegungen zu den Konsequenzen meiner Anschaffung kann keine Rede sein …

Mehr Informationen zum Haibike findest du hier.

Da aber tgindia_fly die Recherche ja für sich und Freunde bereits gründlich durchgeführt hatte, wurde ich vom Kauf des Haibikes auch nicht enttäuscht.“

Das Antriebssystem Yamaha PW:Mir scheint der Yamaha PW Motor erstaunlicherweise bergauf nicht ganz so kräftig wie der Bosch im Flyer zu unterstützen, obwohl er nominal mehr Drehmoment hat. Dafür geht es gleich schon bei 0 Kadenz los. Subjektiv und ohne weiteren Vergleich kommt er mir sehr robust und durchaus stark vor, allerdings nur bis zu moderaten Kadenzen – ich fahre maximal mit 80 – 85 Pedal-Umdrehungen pro Minute. Das soll sich wohl mit den neuen Yamaha-Motoren verbessert haben. Mehr kann ich zum Motor nicht schreiben, denn er tut einfach – seit über 10.000 km – so soll es sein!

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Lediglich das BMS ärgert mich. Der Motor wird ab 20% Restkapazität etwas abgeregelt, und ab 10% noch mehr. Das ist sehr unschön, denn der letzte Abschnitt meiner Pendelstrecke zur Arbeit geht noch mal richtig steil bergauf. Da hätte ich es gerne selber in der Hand, ob ich noch die volle Unterstützung nutze oder nicht. Im Winter wird es also knapp.

Dazu kommt das grundsätzliche Problem von S-Pedelecs, dass sie mehr Strom benötigen als ihre 25er-Pendants. Ich habe eine Strecke von etwas über 21 km einfach, mit sehr vielen Aufs und Abs mit täglich 800 – 900 Höhenmetern auf oft holprigen Wegen. Auf der Hinfahrt mit über 500 Höhenmetern komme ich im Winter leicht mit weniger als 20%, teilweise auch schon unter 10% Restkapazität bei der Arbeit an. Dabei versuche ich, bereits durch Schalten in den Standard-Modus auf geeigneten Abschnitten Strom zu sparen (zweithöchste Stufe), obwohl ich gerne immer mit der höchsten Stufe High unterwegs wäre.“

Nutzung: „Bei der Anschaffung meines Speedys ging es ja darum, dass ich öfters mein Auto ersetzen kann und dabei noch etwas für die Gesundheit tue. Deshalb sollte es zum Einen noch akzeptabel schnell gehen, zum Anderen auch mit moderater Anstrengung. Ich war zuvor zweimal schon mit meinem motorlosen Mountainbike gependelt und hatte dazu ca. 1:20 Stunden für die einfache Strecke benötigt. Am Abend dann war ich platt …

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Mit höchster Unterstützungs-Stufe und hohem eigenem Einsatz schaffte ich die Strecke zur Arbeit in 38 Minuten. Da durfte ich allerdings die 30er Zonen und andere Einschränkungen nicht allzu sehr beachten. Inzwischen fahre ich moderater und komme trotzdem in weniger als 50 Minuten an – zurück geht es stets schneller. Ich denke, dass ich mit einem 25er Pedelec nicht einmal so viel langsamer wäre. Denn die vergleichbaren Motoren haben die selbe Maximalleistung:

  • Yamaha PW in 25er wie 45er Version,
  • Bosch Performance in der 25er Cruise und der 45er Speed Version

Die niedrigere Nenndauerleistung von 250 Watt bei Pedelecs ist eher ein theoretischer Wert. D.h., sobald es den Berg steil genug aufwärts geht und ich nicht mehr über 25 km/h komme, bin ich mit dem 25er-Pendant genauso schnell.

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Mein Speedy macht aber einfach mehr Spaß, denn es gibt kein Abregeln bei einer Geschwindigkeit, die ich selbst ohne Motor gut erreichen kann. Und ich habe immer noch genügend Abschnitte, in denen ich dieses Mehr an Unterstützung durchaus nutzen kann.

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Noch ein paar Details zu meiner Strecke – auch im Hinblick auf die gesetzliche Lage.
GRÜN = absolut regelkonform / ROT = …. naja, los geht’s:

  • Ich fahre zuerst auf einem breiten Radweg in die nahegelegene Kleinstadt.
  • Dann dort hauptsächlich durch 30er Zonen,
  • bis es dann in den Wald geht auf geschotterten und teilweise auch etwas schlammigen bzw. schlaglochbewehrten Forstwegen.
  • Ein paar Dörfer werden schnell durchquert,
    natürlich fahre ich in 30er Zonen auch 30, dieser Kommentar dient eh nur dazu, dass der grüne Text optisch überwiegt! Also wenn die Dörfer passiert sind,
  • kann ich bald wieder Wald oder Streuobstwiesen genießen.

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Dank Motor stellen mich die teilweise mit über 20% Steigung sehr steilen Anstiege auch vor kein Problem – außer beim Herunterfahren. Denn die 45 mm breiten Reifen kommen auf losem Schotter oder auch rutschiger Erde an ihre Grenze.“

Verkehrspolitik: „Als es einmal sehr stark regnete, bin ich große Teile der Strecke auf der Straße gefahren. Das empfand ich als sehr unangenehm – das knappe Überholen durch schnelle Autofahrer kennt sicher jeder von Euch. Selbst mit 45 km/h auf der Landstraße ist man dann ein Hindernis, und es gibt etliche Autofahrer, die auch bei Gegenverkehr überholen oder dann sehr dicht hinten auffahren.

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Daher gilt für mich das Motto: Halte dich an §1 der StVO – „die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“.

Das heißt für mich, ich rase nicht mit 40+ an anderen vorbei die langsamer sind, sondern klingele rechtzeitig, drossele mein Tempo, und wenn es nicht anders geht, warte ich mit dem Überholen bis es gefahrlos möglich ist. Die zahlreichen Hundebesitzer mit ihren Liebsten, die manchmal sogar gehorchen oder angeleint sind (…), grüße ich gerne, ebenso die Walkerinnen-Gruppe oder die entgegenkommenden Rad-Pendler.

Mit diesem Ansatz kam ich bisher problemlos durch. Würde ich absolut gesetzeskonform unterwegs sein, hätte ich mein Speedy bereits längst wieder abgeschafft!

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Allerdings muss ich dazu sagen, dass meine Strecke auch wesentlich konfliktfreier ist als die durch eine große Stadt. Auch wenn ich mit dieser Strategie bisher ganz gut durchkam – für die so groß diskutierte Mobilitätswende wären die S-Pedelecs doch eine weitere gute Möglichkeit um auf längeren Strecken das Auto zu ersetzen, als Ergänzung zu Fahrrädern und Pedelecs. Aber solange die Gesetzgebung so bleibt wie sie ist, wird das S-Pedelec weiterhin in seiner sehr kleinen Nische bleiben. Schade!“

Umbauten: „Für mich kommt ein Fahrrad ohne Federgabel und zumindest gefederter Sattelstütze nicht infrage, denn die Waldwege schütteln einen mächtig durch. Außerdem bin ich durch mein MTB-Fully verwöhnt, brauche allerdings beim S-Pedelec keine solche Premium-Federung, da es ja nicht auf die Trails geht.

  • Gefederte Sattelstütze Suntour SP12-NCX
  • Lenker und Griffe
  • Breitere 47mm Reifen von Schwalbe – Energizer Plus – für Frühling, Sommer & Herbst sowie die Conti Top Contact Winter II für den Winter
    (Ich habe aber schon das Gefühl das der Conti einen besseren Grip hat auf Rauhreif, Schnee und Laub. Erstens durch das weichere Gummi, zweitens durch die feinen Lamellen.)“

Verschleißteile: „Verschleiß der Bremsbelägen – seltsamerweise am meisten beim Hinterrad – die Beläge sollten dort eigentlich länger halten. Das habe ich wohl mit dem Blog-Teilnehmer MW45 gemein, der im Oktober 2018 hier im Pedelecmonitor darüber schrieb – identisches Bike und identische Probleme. Allerdings kann ich jetzt nicht mehr bestätigen, dass es an den Original Magura-Belägen lag. Die darauffolgenden Trickstuff hielten noch weniger lang: 2100 vs. 3300 km. Interessant ist, dass ich die Originale am Vorderrad erst nach 7300 km tauschen musste! Ich habe dann auf beiden E-Bike MA-007 von Koolstop eingebaut, und seither keinen Tausch mehr durchführen müssen.

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Ähnlich ging es mir mit der Kette. Die originale X10e von KMC musste ich schon nach 2400 km durch eine teure 10SE von Connex ersetzen. Die hielt immerhin bis zu Kilometer 6000, aber für denstolzen Preis von 40EUR. Seither habe ich die CN-HG95 von Shimano am Laufen, und das seit mehr als 4000 km. Daher wird die nächste Kette auch wieder die von Shimano werden.“

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Die Sache mit den Helmen: „Im Sommer kaufte ich mir einen neuen Helm, den Cratoni Commuter. Zum Teil um näher am Gesetz zu sein, vor allem aber wegen des Visiers.

Dank stärkerer Schale und heruntergezogenen Rändern ist die Sicherheit dieser Helme einfach höher. Das Klapp-Visier spielt bei allen Wetterlagen seine Vorteile aus, im Sommer hilft es gegen Fliegenschwärme und jetzt in der kalten Jahreszeit schützt es vor Wind und Niedschlag, sodass man nicht mehr mit roten, tränenden Augen bei der Arbeit ankommt..

Der Helm entspricht der Norm NTA 8776, welche in den Niederlanden offiziell für S-Pedelecs zugelassen ist. Hoffentlich gilt das auch irgendwann für die gesamte EU, denn Motorradhelme auf S-Pedelecs zu tragen ist ziemlich witzlos. Ich spreche das an, weil es bereits vorgekommen ist, dass in meiner Stadt S-Pedalisten von der Polizei verwarnt wurden, weil sie nur einen normalen, guten Radhelm trugen!“

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Fazit: „Es war die beste Anschaffung der letzten Jahre! Mein nächstes Rad wird bestimmt wieder ein S-Pedelec sein – zumindest für das Pendeln! Ich verfolge interessiert, was sich bei den E-Rädern technisch so tut. Da ist das Ende der Entwicklung noch längst nicht gekommen – siehe ABS-Systeme. Ich denke das nächste Rad wird dann vom Typ eher ein straßentaugliches Mountainbike mit Federung, denn ich liebe es, auf den Untergrund keine Rücksicht nehmen zu müssen.“

Vielen Dank holzhai für deinen Text, die tollen Fotos und den Seitenhieben zur gesetzlichen Lage, die ja eine Verkehrswende per S-Pedelec wunderbar verhindert, doch bleiben wir lieber bei der Technik! Mit deinem Text zum Haibike samt Yamaha PW kommt endlich wieder etwas Abwechslung in die Welt der S-Pedelec Erfahrungsberichte, die gefühlt von Stromer und Riese&Müller dominiert wird. Mit deinem Text machst du mir als neuen S-Pedelec Interessenten das Haibike schon sehr schmackhaft! Ich wünsche dir allzeit gute Fahrt und immer genug Power im Akku.

[FOTOS: holzhai]

Yamaha Mittelmotoren

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2 Gedanken zu “Holzhais Haibike SDURO Trekking S8.0 mit Yamaha PW (10.000km+)

  1. Christian Popp 20. Dezember 2019 / 10:24

    Toller Bericht! Habe das gleiche Rad, die gleichen Erfahrungen, gleiche Meinung, auch die Suntour und die Coolstop Beläge… Kann alle Deine Erfahrungen bestätigen. Das BMS ist nervig… muss am Ende meiner Strecke einen Berg fahren… Wenn ich dann mit der Batterie am Ende bin, geht nur noch wenig.

    • Christian Popp 20. Dezember 2019 / 10:34

      Ach ja… die Reifen: Energizer Plus Tour 28″ Drahtreifen Performance GreenGuard Twin-Skin E-50 47-622 (28×1.75)
      Die sind etwas breiter als die Originalen und haben etwas gröberes Profil. Durch die Stadt sind die deutlich bequemer.

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