DailEs Bulls Dail-E Grinder Modell 2017 mit Bosch Speed (10.000km+)

DailE ist ein waschechter S-Pendler: Auto ersetzen und in 26 Monaten rund 15.000km erpendeln. Die persönliche Mobilitätswende: Gelungen! Seit Fazit zum Bike und zur Nutzung dieser Bike-Gattung.

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„[…] bei Mopeds – was mein Fahrzeug versicherungstechnisch auch ist – wird i.d.R. mehr Abstand und Rücksicht auf der Straße genommen als bei S-Pedelecs. „

Darum das Bulls Dail-E Grinder: „Ich fahre das ganze Jahr durch, fast bei jedem Wetter. Meine Strecke führt mich sowohl durch Stadtverkehr, über Landstraßen als auch über Feld- und Waldwege. Da ich nicht viel langsamer als mit dem Auto sein wollte, was einem die Verkehrsverhältnisse in und um Stuttgart mit der Zeit immer leichter machen, wollte ich ein S-Pedelec mit dem ich einen 36er-Schnitt schaffen kann.

Da kam mit 2017 das Bulls Dail-E Grinder mit Rennrad/Gravelbike ähnlicher Geometrie gerade recht, denn bei über 30km/h spielt der Luftwiderstand eben doch die entscheidende Rolle, sprich eine tiefe Lenkerposition musste es schon sein. Die Vollausstattung mit klasse Licht (Supernova M99 pure+), stabilem Gepächträger und Schutzblechen war für mich ebenfalls wichtig. Das Bike ist damit mit 23kg noch einigermaßen leicht. Das ist auch gut so, denn ich fahre oft mit ca 4-6kg Zusatzgewicht durch Satteltasche, Laptop, hochwertiges Bügelschloss, teilweise noch Kleidung.“

Verschleiss: „Als Vielfahrer muss man schon regelmäßig die wichtigsten Komponenten überprüfen, um unnötige Reparaturen zu vermeiden. Ich habe hier auch Lehrgeld gezahlt, als nach den ersten 2.860km die Kette etwas zu stark gelängt war und daher auch der Zahnkranz fällig geworden ist. Seitdem führe ich quasi ein Fahrtenbuch und notiere, wann für welches Teil wieder mal nachgeschaut werden muss und wann was ausgetauscht worden ist.

  • Kette (Shimano CN-HG701 11-fach) 1.900-3.300km [Durchschnitt 2.760km]
  • Bremsbeläge (Shimano J02A)
    • Vorderrad 2.700-3.200km [Durchschnitt 2.970km]
    • Hinterrad 2.800-4.300km [Durchschnitt 3.440km]
  • Bremsscheiben (Shimano XT SM-RT81)
    • Vorderrad 5.100-6.800km [Durchschnitt 5.940km]
    • Hinterrad 6.800-7.010km [Durchschnitt 6.900km]

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Bereifung im Sommer und Winter: „Vom Werk aus sind Schwalbe Marathon Supreme Evolution verbaut. Der ist fast ein „Slick“ Reifen, der super leicht läuft und auch zielmlich haltbar ist. Allerdings taugt er so richtig nur für trockene Straßen bzw. Asphalt. Bei nassen oder allgemein rutschigeren Bedingungen zeigt er deutliche Schwächen, da muss man schon extra vorsichtig und aufmerksam fahren.

Im Winter wechle ich darum auf Spikes, genauer auf Schwalbe Marathon Winter. Die wiegen für beide Räder ca 1kg mehr als die sehr leichten Evolution und haben auch einen höheren Rollwiderstand, sind aber, wenig überraschend, deutlich sicherer bei Glätte und durch das Profil auch bei Feld- und Waldwegen griffiger. Mich haben die Reifen sicher mindestens 2-3 vor einem Sturz in der Kurve durch Glätte bewahrt. Bin auch schon bei Schnee unterwegs gewesen, wäre mit anderer Bereifung nur schwer oder gar nicht gegangen.

Da einer meiner „Sommerreifen“ schon einige Beschädigungen (bis zu 5mm lang) durch Steinchen etc. genau auf der Lauffläche hatte, hab ich einen der Evolutions ausgetauscht und fahre jetzt mit Schwalbe Energizer Plus. Der Reifen ist auch bei nassen Bedingungen und im leichten Gelände eindeutig besser als der Evolution. Der Rollwiderstand ist meine ich vergleichbar oder nur wenig schlechter als der des Evolution.“

Rahmen: „Das Oberrohr des Rahmens ist ziemlich extravagant geformt. Macht aus Festigkeitssicht und für die Optik sicherlich Sinn. Im Fall eines Sturzes kann die relativ schmale Kante an der Seite (roter Pfeil) aber sehr schmerzhaft werden. Mich hat es einmal gelegt und die Kante ist mir auf die Innenseite des Knies gekracht. Nach der Erfahrung hab ich vorsorglich eine Polsterung angeklebt, siehe grüne Markierung.“

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Die DI2-Schaltung: „Ich war etwas skeptisch was die Shimano DI2 Schaltung mit Blick auf den extra Akku in der Sattelstange angeht, insbesondere wenn es im Winter auch mal spürbar unter den Gefrierpunkt geht. Das hat sich als unbegründet herausgestellt, ich war aber auch noch nicht unter -10 Grad Celsius unterwegs. Nach meiner Erfahrung hält der Akku für die DI2-Schaltung mindestens 1.200km, meist sind es so 1.500km, dann lade ich nach. Er ist dann noch nicht leer, aber die Anzeige deutet dann schon auf ca 1/4 Restkapazität und dann wird es höchste Zeit.

Dennoch hatte ich schon einen Ausfall der Schaltbatterie im Februar 2019 (also nach 19 Monaten) da der Steckkontakt vom Kabel zum Akku kapput ging, vermutlich zu viel Vibration – wurde aber von Shimano im Rahmen der Gewährleistung ausgetauscht. Trotzdem kann es ein problem werden, wenn man unterwegs nur noch einen statt 11 Gänge hat. Bin gespannt, ob mir das nach weitern 19 Monaten also Sommer/Herbst 2020 wieder passiert.“

Motor und Motorumgebung: „Im Mai 2019 treten sporadisch Knarzgeräusche im Bereich Motor, Kurbel, Pedale auf. Nach einigen Versuchen stellt sich im Juli heraus, dass es das Prallblech bzw. Schutzblech unter dem Motor ist, das bei Verformung des Rahmens (normales Treten) knarzt. Dort ist an den Verschraubungsstellen oben mittlerweile leichtes Spiel festzustellen, das durch Anknallen der Schrauben auch nicht überbrückt werden kann, dazu ist das „Prallblech“ zu steif. Elastischer Baukleber als Dämpfung bringt eine vorläufige Lösung – ob das auf Dauer hilft?

Habe den Kettenschutzring um ca 3.4mm aufgedickt. Zu der Zeit als die Kette noch zu lang war sprang diese mehrmals die Woche vom Kettenblatt. Die Maßnahme hat schon mal geholfen, dass das nur noch alle 2-3 Wochen passiert ist. Richtig Ruhe war aber erst nachdem ich die Kette deutlich gekürzt habe.

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Mitte September 2019 nach über 15.000km prüfe ich beim Reinigen der Kette den Lauf der Kurbel ohne Kette – dabei fallt ein leicht ruckeliger Lauf und deutliche Geräusche auf. Auf Kulanz erhalte ich einen neuen Motor, vermutlich war das Hauptlager defekt.“

Zubehör: „Die blauen Pfeile zeigen auf die Abstandshalter die notwendig waren, damit ich den Halter für die ORTLIEB Satteltasche so montieren konnte, dass die Satteltasche selbst ordentlich aufliegen kann. Der Gepäckträger ist schön stabil, aber die Konstruktion ist etwas unpraktisch, weil die oben liegende Querstange nicht in einer Ebene liegt mit der hinteren nach unten führenden Stange RIchtung Nabe, die ist nämlich gewinkelt und steht deshalb ca 2-3cm nach außen ab.

Der grüne Pfeil zeigt den Selle Italia Eyelink Spiegel. Ich finde den richtig klasse, weil er super zur Schaltung passt, großes Blickfeld bietet und sich bei holprigem Untergrund nur wenig oder gar nicht verstellt.“

Reparaturen und Modifikationen:

Km 1.519 (27.09.2017): Speiche am Hinterrad gebrochen

Km 2.863 (18.12.2017): Kassette getauscht, weil Kette etwas zu stark gelängt

Km 3.600 (21.02.2018): Kettenlänge gekürzt. Mir ist mind. 1x pro Woche die Kette runtergesprungen. Nachdem ich die richtige Kettenlänge recherchiert habe war klar ich muss von 114 Gliedern auf 104 Glieder kürzen. Das hat deutlich geholfen. Seitdem ist Ruhe!!

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Km 5.093 (27.04.2018): Aufsatz für Triathlonlenker montiert – damit läßt es sich auf freiem Feld noch aerodynamischer und entspannter Fahren. Wegen fehlender Bremsen am Triathlonlenker geht das aber wirklich nur wo die Strecke gut einsehbar ist. Da der Aufsatz doch recht viel Platz braucht, bleibt nicht mehr viel für den Motor-Controller und eine Klingel. Deshalb habe ich für den Traithlonaufsatz eine Querstrebe aus GFK erstellt, die mit einem, auch selbst gebastelten, Halter zusätzlich noch Platz zur Befestigung des Supernova Scheinwerfers bietet.

Km 8.094 (17.09.2018): Anpassung der Untersetzungen vorne von 22Z auf 19Z, hinten 11-32 Kassette durch 11-28 Kassette ersetzt. Kette nochmals 4 Glieder gekürzt. Das passt viel besser zu meiner Trittfrequenz von ca 80 und einem Geschwindigkeitsspektrum von 20-60km/h. Mit der originalen Auslegung habe ich die kleinsten vier Ritzel fast nie verwendet. Jetzt nutze ich tatsächlich alle 11 Gänge und habe diese auch feiner abgestuft. Bulls geht offensichtlich von einer typischen Trittfrequenz von 60 oder kleiner aus.

Km 8.535 (02.10.2018): Bremslicht hinten geht nicht mehr. Es stellt sich heraus, dass das Kabel das im Rahmen verlegt ist gebrochen ist – war für die Fachwerkstatt ein ziemliches Gefummel.

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Km 10.058 (07.01.2019): Schutzblech vorn bricht an der Aufhängung ab, ist abvibriert. Auf dem Foto erkennt man die Befestigung des vorderen Schutzblechs einmal von hinten (links) und einmal von vorne (rechts). Die roten Pfeile zeigen die Stelle wo in der Orginalversion des Schutzblechs durch die Kerbwirkung des Befestigungswinkel die Schwachstelle war. Dort ist der vordere Teil des Schutzblechs eingerissen und abvibriert. Jetzt fahre ich mit einem selbst gebauten Schutzblech, das ich aus GFK und Epoxidharz laminiert habe.

887_DailE_06_Schutzblech_vone

Km 10.933 (01.02.2019): DI2 Schaltbatterie gibt auf – Steckverbinder ist abvibriert

Km 11.133 (22.02.2019): Speichenbruch am Hinterrad

Km 11.302 (01.03.2019): Noch ein Speichenbruch am Hinterrad – jetzt wird das gesamte Hinterrad neu eingespeicht

ab ca Km 13.000 (Mai 2019): Prallblech am Motor knarzt

887_DailE_07_Prallblech

Km 15.400 (September 2019): Motortausch im Rahmen der Gewährleistung

Wahrnehmung und Miteinander im Verkehr: „Wie auch in anderen Berichten ist es als S-Pedelec Fahrer nicht immer einfach, im Verkehr seinen Weg zu finden und richtig eingeschätzt zu werden. Viele Verkehrsteilnehmer nehmen die relativ hohe Geschwindigkeit einfach nicht wahr und reagieren wie bei einem normalen Fahrradfahrer, was ab und an zu gefährlichen Manövern führt, wenn Autos aus Einfahrten fahren oder Fahrertüren geöffnet werde. Das wäre ja an sich unproblematisch, wenn man mit 20km/h unterwegs wäre, aber nicht bei 35-40km/h.

Mir fällt auch auf, dass bei Mopeds – was mein Fahrzeug versicherungstechnisch auch ist – i.d.R. mehr Abstand und Rücksicht auf der Straße genommen wird wie bei S-Pedelecs. Daher ist vorausschauendes, mitdenkendes und konzentriertes Fahren extrem wichtig, sonst hätte es bei mir auch schon ab und an ernsthaft gescheppert.“

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Vielen Dank DailE für deinen Erfahrungsbericht. Mit dem Pendeln per S-Pedelec im Stuttgarter Raum leistest du zusammen mit wenigen anderen echte Pionierarbeit. Anhand deiner hohen monatlichen Fahrleistung kann man erkennen, dass es keine Ausreden bei schlechtem Wetter gibt. Außerdem kann man es an dem vergleichsweise frühzeitigen Hauptlagerschaden am Motor erkennen, der bei Allwetterpendlern leider signifikant früher auftritt. Ich wünsche dir allzeit gute Fahrt und hoffe, dass wir uns mal irgendwann persönlich treffen.

Bosch Mittelmotoren

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5 Gedanken zu “DailEs Bulls Dail-E Grinder Modell 2017 mit Bosch Speed (10.000km+)

  1. Michael K./ Leuchte 20. Oktober 2019 / 16:15

    Was für ein toller Bericht eines Alltagsfahrers, der den Dingen auf den Grund geht.
    Das Knarzen ist auch an meinem neuen Bulls Lacuba evo lite 11 vermutlich blechbedingt.
    Empfehle den Top CONTACT Winter II Premium als Ganzjahresreifen. Nur bei Eis ist der Marathon Winter besser, sonst ist er schnell und sicher. Sammelt allerdings gerne Kieselsteine auf.
    Werde gleich mal Beläge und Kette prüfen auf deine Anregung.

  2. Martin 22. Oktober 2019 / 14:07

    Hi. Kannst du kurz erklären, was die Kettenlänge mit der Trittfrequenz zu tun hat? oder habe ich da was falsch verstanden? Danke für den Erfahrungsbericht. Ich bin erst seit 1000km mit dem Performance Speed unterwegs. Bin mal gespannt. War bei die schon der Lagerschutzring montiert?

    Gruß, Martin

    • Reto 25. Oktober 2019 / 19:40

      Hallo Martin, die Kettenlänge hat erst mal nichts mit der Trittfrequenz zu tun. Ich habe das Kettenblatt von 22 auf 19 Zähne verändert (~15%), damit kann ich 15% schneller Kurbeln. Da ich gleichzeitig auch das größte Ritzel von 32 auf 28 Zähne geändert habe, musste ich die Kette entsprechen kürzen, nämlich rechnerisch um 7/2=3,5 Glieder, also 4 Glieder.

      Ja, Lagerschutzring war bereits montiert. Mir hat das auch zu Denken gegeben. Bosch kann ja nur an seiner DriveUnit Maßnahmen treffen, da ist der Schutzring schon mal gut. Offensichtlich kommt aber über Zeit doch zu viel Schmutz und Nässe an den betreffenden Bereich zwischen Kettenblatt und Lagerstelle. Deshalb hab ich vorsorglich eine Art Schmutz-/Nässeschutz am Kettenblatt bzw Kurbel gebastelt, damit wird sicherlich sehr viel weniger Schmutz und Nässe in die Lagernähe kommen können. Ist optisch vielleicht nicht sonderlich attraktiv. Seitens Radhersteller besteht deshalb wohl auch wenig Interesse für so eine Lösung. Mal sehen ob der zweite Motor damit länger hält. Ich schick Alex ein entsprechendes Foto, vielleicht postet er es ja.

  3. Martin 23. Oktober 2019 / 8:58

    Interessanter und hilfreicher Bericht – mein Grinder hat erst knapp über 3.000km hinter sich und ausser einer abvibrierten Schraube der Schutzblechbefestigung und Tausch der Kette und Bremsbelag vorne ist noch alles i.O.

    Besonders interessiert mich die Montage des Tri-Aufsatz. Wie ist denn genau der Scheinwerfer befestigt?

    • Reto 25. Oktober 2019 / 19:45

      Hallo Martin, ich schick Alex noch ein paar Fotos zum Lenker und meiner gebastelten Scheinwerferbrücke.
      Der Triathlonlenker ist mit den dabei mitgelieferten Originalbefestigungsteilen montiert, kein Hexenwerk, ging einfach.

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