Pedelecmonitor on Tour (5): Eurobike 2019

Das erste mal auf der Eurobike, das muss gut vorbereitet werden. Standbesuche, Sessions, Visitenkarten – Planung ist eben alles! So war es dann wirklich: Nach 8h Lauferei durch La Rochelle und anschließenden 12h Autofahrt bin ich absolut authentisch morgens um 7:30 Uhr in Friedrichshafen aufgeschlagen – ungeduscht, in kurzer Hose & FlipFlops, mit einem Malheft und ohne Zahnbürste. Frisur? Ach was!

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„In anderen Blogs steht, dass die Messe bzw. die zu besuchenden Stände vorbereitet werden sollte, weil es sonst zu viel für einen Tag ist – VERDAMMT RICHTIG.“

„Nachfolgend nenne ich Marken und Firmen, mit denen ich auf der Eurobike oder bereits vorher enger in Kontakt getreten bin. Daher deklariere ich diesen Artikel als Werbung, obwohl es keinerlei Gegenleistung gibt.“

Recht übermüdet bin ich nach langer Autofahrt morgens in Singen am Bodensee am Zug abgesetzt worden. Aus dem mit Campingzeug voll bepackten Auto kramte ich noch ein paar Sachen für die Messe – Deo, iPad, Telefon, Notizblock (vergriffen: war ein Malheft), Portemonaie kamen in einen fleckigen Beutel – was ganz unten lag und nötig war und somit nicht mit kam waren – feste Schuhe weil’s regnete, eine saubere Jacke welche nicht die letzten 3 Wochen getragen wurde, eine Zahnbürste – das wichtigste hatte ich im Auto vergessen – meine Mütze/Kappe, um das wild gewachsene Haar zu verbergen – MIST!

So blieben 5 Minuten, um noch schnell das Baden-Württemberg-Ticket zu lösen und dann gings schon los per Bummelbahn nach Friedrichshafen. Nette Leute dort, wirklich, auch die Schaffnerin machte mich freundlich darauf aufmerksam, dass mein Ticket erst ab 9 Uhr gültig ist – lächelnd, freundlich, aber hilfsbereit und lösungsorientiert. Die Rezeptionistin im Seehotel Friedrichshafen druckte mir für ein paar Cent meine Akkreditierung aus, in Farbe, herzlichen Dank dafür. Eine Zahnbürste und Haargel fand ich im nahe gelegenen Supermarkt, nun stand der Eurobike nichts mehr im Wege.

In anderen Blogs steht, dass die Messe bzw. die zu besuchenden Stände vorbereitet werden sollte, weil es sonst zu viel für einen Tag ist – VERDAMMT RICHTIG. Ich nehme es mal vorweg, ich habe nicht alle Hallen gesehen und an große Probefahrten war nicht zu denken!

BLOGGER BASE & THE WRIDERS‘ CLUB

Eine echt tolle Idee! Kaffee, Saft, Obst, Häppchen – und die Atmosphäre von Gleichgesinnten umgeben zu sein. In der Blogger Base bin ich erst mal angekommen und habe dort die ersten 45 Minuten verquatscht, dafür erhielt ich wertvolle Tips! Danke „REDCHERRYPEPPER„.

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SHIMANO

Sortiert, strukturiert, sauber – ein riesen Stand auf dem ich leider nicht so recht warm wurde – eigentlich fielen mir nicht die richtigen Fragen ein. So wurden es nur ein paar Fotos.

Doch zu den Shimano Systemen gibt es derzeit auch nicht viel zu sagen, sie laufen einfach und falls doch etwas defekt ist, wird die Sache kulant aus der Welt geschafft. Danke Paul Lange für diesen TOP Service!

GATES

Ein beeindruckender Stand mit vielen Anwendungsfällen, Exponaten und Prototypen. Hier stellte ich die richtigen Fragen und bekam tolle Antworten – ein Blogartikel folgt.

Dieser Prüfstand läuft bereits mehrere Wochen. Fazit: Der Riemen läuft und läuft und hält und hält.

RUFF CYCLES

Ein starkes Team, dass jede Frage beantwortet und auch alles zum eigenen Produkt weiss – warum etwas so ist wie es ist und auch wann es neue einfallsreiche Gadgets geben wird – ein Stand mit Club Charakter: dunkle Wände, große Monitore, chillige Sofas. Doch wer will schon abhängen, wenn so geniale Bikes für Probefahrten bereit stehen? Ein Blogartikel folgt.

SACHS

Im Außenbereich schossen mehrere blaue Fullies vorbei. Newcomer Sachs lud auf 4 oder 5 Prototypen zur Probefahrt ein. Medienberichte und die eigene Homepage machen den Antrieb schon sehr schmackhaft. Man wird definitv nicht enttäuscht werden – Kraft pur!

Ich mäkelte etwas am langen Motor-Nachlauf – doch das ist nur Softwareanpassung – man darf gespannt sein auf dieses starke Antriebssystem.

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CHIKE

Endlich hatte ich die Möglichkeit, das Team von Chike mal persönlich kennenlernen und zum exzellenten Kundenservice zu gratulieren. Doch das durfte ich erst, nachdem ich jedes Chike mindestens einmal Probe gefahren bin. Die gelenkte Doppelachse vorn macht einen riesen Spaß. Achten Fahren in hohem Tempo bringen sogar einen Adrenalinkick. Es brauchte 5 Minuten, bis ich mich an die Lenkung gewöhnt hatte, danach ging ich sicher in jede Kurve.

OLI

Auf der Freifläche sauste ein Bianchi mit einem mir unbekannten Motor vorbei. Wenig später fand ich den Stand dazu. Verbaut ist ein Motor mit der Geometrie der Boschaufhängung. Ein zweiter Motor von Oli mit anderen Aufhängungspunkten konnte ebenfalls besichtigt werden.

Recht schnell stand ein Rad zut Probefahrt bereit. Antritt! Im geringsten Unterstützungsmodus ging es schon stark voran. Eine Stufe stärker- Antritt! Noch eine Stufe höher – Antritt – KNACKS, da flog die Kette davon. Die Kette der 10-fach Schaltung war den Kräften wohl nicht gewachsen oder hatte einen Initialschaden. Ich schob das Bike zum Stand zurück. Wenige Momente später stand ein sehr geiles individualisiertes Rennrad vor mir – samt Oli Motor. Erneuter Antritt! HOSSA – das ging wirklich ab. Die Geometrie war ja nix für mich, doch die Beschleunigung war enorm.

Die ungewöhnliche Geräuschkulisse des Motors war das Einzige, was ich bemängelte. Vielleicht hört man in nächster Zeit mehr von diesem aus Italien stammenden System.

BROSE

Warum sieht Brose im Pedelecmonitor so schlecht aus? Das war die Kernfrage, mit der ich an den Brose Stand trat. Nach wenigen Augenblicken stand ich zwei netten Damen vom Marketing mit technischem Background gegenüber. Obwohl ich „nur“ ein Blogger bin, wurde mein Anliegen ernst genommen – wir suchten gemeinsam nach Antworten.

Sehr sehr wahrscheinlich habe ich etwas schlampig gearbeitet. Besser wäre es, die Motoren der zweiten Generation von denen der ersten zu trennen. Diese Hausaufgaben habe ich bereits erledigt. Anfangs gab es wohl durch das offene System, bei dem die Hersteller unabhängig bei Akku und Bedienelement waren, hier und dort einige Probleme, doch mit mittlerweile über 500.000 Motoren beim Kunden kann man nicht von gravierenden Problemen sprechen. Die Rückläuferquote der aktuellen Generation ist wohl sehr gering.

Abschließend wurden mir noch die Unterschiede der neusten Generation erklärt, dazu gab es einen übersichtlichen Flyer, an dem auch gut die kleinen aber feinen Unterschiede zwischen Alu und Mag zu sehen sind.

PENDIX

Mit einem vergleichsweise großen Team war Pendix vor Ort. Im Stuttgarter Raum ist der Pendix eine echte Seltenheit, daher weiß ich bis auf die Informationen vom Erfahrungsbericht nicht viel über den Antrieb. Über Facebook lernte ich vor Monaten einen Außendienstmitarbeiter kennen, der tatsächlich in Friedrichshafen vor Ort war – genial! Nach einem kurzen Smalltalk saß ich auch bei Pendix der Marketingverantwortlichen gegenüber.

Warum gibt es im Netz so wenig Feedback von Pendix-Fahrern? Ein sehr großer Teil nutzt das System zum Nachrüsten und nur für wenige Kilometer im Jahr. Bei diesem „Wenigfahrern“ sind nach 12 Monaten dann möglicherweise weniger als 50 Ladezyklen auf dem Akku – da konnte ich nur die Stirn runzeln. Die wenigen Vielfahrer fahren und fahren und fahren – an diesem einfachen System kann auch kaum was kaputt gehen. Bei einem privaten Berliner Briefzusteller wird das Materiel ordentlich rangenommen, obwohl es in Berlin absolut flach ist. Seit mehreren Jahren beiweist das System in den schweren Lastenrädern, das es was taugt. Tauschmotoren musste Pendix noch nicht ausliefern.

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Übrigens kenne ich keinen anderen Hersteller, der sein Sortiment um einen kleineren, leichteren und damit günstigeren Akku erweitert hat, der ePower150.

Sehr praktisch finde ich die Kopplung des Antriebssystems mit der Pendix-App, die es dem Support ermöglicht, aus der Ferne alle relevanten Daten einzusehen. Auf meine Frage, ob die Daten für statistische Zwecke oder zur Erstellung von Prognosen für Akku-Lebensdauern genutzt werden, kam ein klares Nein. Dies lassen die AGBs nicht zu.

AMPRIO

Amprio ist ebenfalls ein Newcomer. Die Motoren konnte man sich ansehen. Die Mitarbeiter am Stand gaben viele Informationen zu Spezifikationen und Einsatzbereichen bekannt. Es war darüber hinaus der Stand mit den meiner Meinung nach besten Werbegeschenken. Für 2020 sind wohl erste fahrbare Prototypen angedacht.

TQ SYSTEMS

Dieser Stand war der Tip aus der Blogger Base. Im Außenbereich standen neben zwei M1 auch ein paar schnell zusammengebaute Prototypen samt TQ System zur Probefahrt bereit – egal wer wegfuhr, er oder sie kam mit einem breiten Grinsen zurück.

TQ ist in meinem Blog mit nur einem Bike nicht wirklich gut vertreten. Wo sind also die ganzen Fahrer? Eine Hälfte heizt mit Bikes von M1 durch die Berge und Straßen, die andere liefert in großen Cargos im benachbarten Ausland Pakete aus. Die Defektrate der Motoren befindet sich auf homöopatischem Niveau. Interessant ist die Produktionssteigerung für das anstehende Flyon von Haibike. Jährlich sollen soviele Motoren abgenommen werden, wie derzeit im Feld sind – WOW! Liebes TQ-Team: TOI TOI TOI für dieses heftige Ramp-up, ich drücke euch die Daumen.

Tatsächlich hätte ich an diesem Stand gerne die Eurobike ausklingen lassen, in Liegestühlen und in verdammt netter Gesellschaft – wir sehen uns hoffentlich wieder!

STROMER

Clean und puristisch war der Stand von Stromer – Vergleichweise wenige Exponate aber dafür viele Ansprechpartner mit Know-how. Ich hatte weniger technische Fragen, viel mehr interessierte mich, ob auch aktiv auf Problemfälle in Foren und Gruppen reagiert wird bzw. es angedacht ist. Nein war die Antwort, zu zeitintensiv für die wenigen Mitarbeiter. Dafür wird fleißig an anderen Ideen gearbeitet, die einen direkten Kontakt zu Stromer ermöglichen werden. Ich war über die Offenheit und die preisgegebenen Informationen positiv überrascht.

Stromer hat mitels OMNI sehr früh an der Konnektivität seiner Modelle mit der Cloud gearbeitet. Auch hier fragte ich, ob die Daten der Kunden für Statistiken oder sonstige Auswertungen genutzt werden, um beispielsweise mehr über die Art und Weise der Produktnutzung zu erfahren. Klares Statement: Nein. Die Zahlen wären sicher beeindruckend, was das Gros an Stromerfahrern in der Schweiz oder Deutschland jeden Monat an Kilometerleistung zurücklegt.

JOHANSSON

Das Schicksal wollte, dass ich diesen Stand besuche. Bei der Chike Probefahrt war ich stetig von Johansson Modellen umgeben. Eine Vollbremsung mit dem Sachs Bike – der Grund war ein querendes Johansson. Wo treffe ich Marc Burger, Admin von Deutschlands größter Pedelec Facebook Gruppe? Na? Genau!

Dabei gab es viele Gründe, sich diese Lastenräder mal näher anzuschauen. Zunächst gibt es eine enorme Bandbreite an Modellen – Zwei- oder Dreirad – Pritsche, Kiste oder Kasten – günstig, teurer, aber auch nicht ganz so teuer. Das Konzept ist, man suche sich ei nLastenrad aus, dann kommt der Antrieb rein. Wie das gehen soll bei spezifischen Aufhängungspunkten für jedes System? Genau das ist das Geniale daran – es werden Adapter verwendet.

So ist es im Grunde egal, ob ein Shimano-, ein Continental- oder aber ein Brose-System verbaut werden soll. Der Kunde kann am Ende anhand von Leistungsdaten und Preis entscheiden.

Beim nächsten Eurobike Besuch wird ein extra Tag für Probefahrten eingeplant!