Sinusitis‘ Winora Sinus Tria 10 mit Bosch Performance (Quick&Dirty)

Ein Citybike nur in der Stadt bewegen? Sinusitis hält davon absolut gar nichts! Er arbeitet an dem Beweis, dass ein Tiefeinsteiger ein echter Tausendsasser ist. Fotos von geputzten High-End-E-MTBs gibt es hier nicht, dafür kannst du aber echtes Biker Feedback lesen und vor allem sehen!

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„Das Fahrrad in seiner angestammten Umgebung. Man beachte den kontinuierlichen Farbübergang zwischen Feldweg und Fahrrad.“

Seit März 2018 ist Sinusitis Melder im Pedelecmonitor, er aktualisiert die Daten nicht häufig, aber dafür vollständig. Mit seinem zweiten Update bringt er Fotos und einen äußerst informativen Erfahrungsbericht mit. Meine Meinung zu Tiefeinsteigern und deren Fahrern bediente sich bisher aus den gängigen Klischees, die man in den Medien vorgesetzt bekommt: Langweilig / für Rentner / was für die Stadt / braucht man nicht. Doch nun wird gewaltig an diesem Weltbild gerüttelt.

Kaufgrund/Einsatzgebiet: „Ich bin vor eineinhalb Jahren berufsbedingt nach Genf gezogen. Da meine Arbeit nur schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist und ich eine grundsätzliche Abneigung gegenüber vierrädrigen Kraftfahrzeugen habe, konnte ich mich zwischen Motorrad/Scooter und Ebike entscheiden.

Eine kurze Fahrt mit den E-Bikes der Eltern, ein mit Yamaha-System ausgestattetes Haibike Hardtail und ein Winora Citybike, war letztlich sehr überzeugend. Ich habe mich dann innerhalb eines Vormittags für ein Winora Sinus Tria 10 mit Einrohrrahmen und Bosch Performance Line Antrieb für 2400CHF entschieden.

Fotos und Grafiken stammen vom 2018er Modell (Shimano Bremsen anstelle der Maguras). Weitere Informationen zu den 2017er Spezifikationen findest du hier.

Ich habe die Entscheidung nicht bereut. In den letzten eineinhalb Jahren habe ich auf dem Weg zur Arbeit kein anderes Verkehrsmittel mehr benutzt. Mein E-Bike hat mich dabei nie im Stich gelassen.

Und dabei ist das Haupteinsatzgebiet ein äußerst forderndes! Um der lokalen, durchaus fahrlässigen Automobilistenkultur zu entkommen, benutze ich so oft es geht autofreie Wald- und Schotterwege. Die Aufteilung zwischen befestigten und unbefestigten Wegen liegt daher in etwa bei 50:50.

Die unbefestigten Wege, bei denen es manchmal über Wurzelwerk, Steine, und bei Regen durch Schlamm und Pfützen geht, stellen eine Herausforderung für die Komponenten dar. Ich bin meist in den beiden höchsten Unterstützungsstufen in hügeligem Terrain unterwegs. Der Motor wird also meist stark beansprucht.

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Ein weiteres Bild in vertrauter Umgebung. Zwischen Lenker und Sattel kann man den Mont Blanc erkennen.

Manche Komponenten sind okay, manche nicht – eine Einschätzung nach 18 Monaten schonungslosem Einsatz.

Rahmen: „Mit dem Rahmen bin ich absolut zufrieden. Nachdem ich das Fahrrad nicht als Sportgerät, sondern als tagtägliche Mobilitätslösung gekauft habe, lege ich Wert auf Komfort. Damit war gleich klar, dass es ein Einrohrrahmen mit Tiefeistieg wird. In den eineinhalb Jahren, hat sich das bei geschätztem zweitausendmaligem Auf- oder Absteigen auf jeden Fall gelohnt. Eine möglicher Steifigkeitsnachteil macht sich weder bei Abfahrten mit über 60km/h noch bei schnelleren Passagen über Wurzelwerk bemerkbar.“

Lenker und Armaturen: „Auch hier gibt es nichts zu beanstanden. Fühl sich ergonomisch an und die Bedienelemente sind gut angeordnet (hat sich auch bewährt).“

Ständer: „Der Ständer ist gut, aber die Befestigung ist nicht zufriedenstellend. Zwei M5 Schrauben sollen den Ständer am Rahmen befestigen. Diese sind damit aber scheinbar überfordert. Sie lockerten sich regelmäßig und mussten nachgezogen werden. Da das Gewinde direkt in den Alurahmen gefertigt wurde, darf man diese aber nicht zu fest anziehen; was wiederum zu regelmäßigem Lockern führt.

Ich habe eines der Gewinde dann auch einmal überdreht. Zum Glück handelt es sich um ein Durchgangsloch. Ich konnte also eine längere M5 Schraube verwenden und mit einer Mutter von der Gegenseite sichern. Da ich die Mutter um einiges fester anziehen kann, ist das Problem des lockeren Ständers vorerst gelöst. Eine dauerhaftere Lösung wären wohl M6 Schrauben ab Werk.

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Mitte unten im Bild sind die überforderten M5 Schrauben für die Ständerbefestigung zu erkennen.“

Gepäckträger: „Ähnlich wie beim Ständer verhält es sich beim Gepäckträger. Er ist an sich solide, aber bei der Befestigung haperte es. Die Längskräfte des Gepäckträgers werden vom hinteren Schutzblech und dessen Befestigung am Rahmen aufgenommen. Dabei scheint bei meinem Fahrrad ein Montagefehler dazu geführt zu haben, dass eine Schutzblechbefestigung immer locker wurde. Eine vertauschte Anordnung einer Distanzhülse und einer Sicherungsscheibe führte dazu, dass das Schutzblech nicht ordentlich geklemmt wurde, obwohl die Befestigungsschraube bereits bis zum Ende des Gewindes gedreht wurde. Dieser Fehler konnte durch die richtige Anordnung von Distanzhülse und Sicherungsscheibe leicht behoben werden, war aber dennoch ärgerlich und unnötig.

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Die besagte Schutzblechbefestigung. Ich habe eine weitere Sicherungsscheibe eingelegt, um die Distanz, und damit die mögliche Zugspannung, zu erhöhen.“

Vorderes Schutzblech: „Auch hier war die Montage nicht zufriedenstellend. Bei den unteren seitlichen Befestigungen lockerten sich regelmäßig die Schrauben. Man muss fast die gesamte Befestigung demontieren, um die Schrauben festzuziehen. Das ist unterwegs nicht immer so einfach und dabei habe ich einen Teil der Befestigung, bei zugegeben grober Herangehensweise, abgebrochen. Zum Glück ist die Funktion dadurch nicht oder kaum eingeschränkt und nach einer sorgfältigen erneuten Montage tritt die Lockerung nicht mehr auf. Auch hier ist es eine Kleinigkeit, die durch gute Montage ab Werk vermieden hätte werden können.

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Die unteren seitlichen Schutzblechbefestigungen müssen fast vollständig demontiert werden, um die Schraube nachzuziehen, die sie an die Gabel klemmt (Die Schraube wird von der Befestigung verdeckt und ist im Bild nicht sichtbar).

Bei der hinteren unteren Befestigung des Schutzblechs setzte auch eine Lockerung ein. Dies könnte durch die Montage einer zusätzlichen Schutzblechverlängerung hervorgerufen worden sein, die zu einer zusätzlichen Belastung führte. Jedenfalls handelt es sich hier um einen Verschleiß und nicht um eine Lockerung einer Schraube. Der Verschleiß führt zu einem Spiel in der Befestigung, was wiederum zu einem Klappern des Schutzblechs führt. Dessen akustische Resonanz kann ziemlich laut werden. Eine Reparatur erfolgte mittels eines Gummibandes, um das Spiel auszugleichen. Dies führt sehr effektiv zu einer Geräuscheliminierung. Womöglich könnten Hersteller sich überlegen hier einen Gummipuffer werksseitig einzubauen.

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Die hintere untere Befestigung des vorderen Schutzblechs. Es verursachte vor der Gummibandlösung lautstarke Vibrationen des Schutzblechs.“

Radlager, Felgen, Reifen: „Das vordere Radlager wies nach ein paar Monaten minimales Spiel auf. Ein kurzer Besuch beim Fachhändler hat das Problem behoben. Bei den Felgen gibt es nichts zu beanstanden. Die Reifen sind ab Werk Schwalbe Road Cruiser. Ich bin damit überaus zufrieden. Auf der Straße fühle ich mich damit sehr wohl und auch im trockenen Gelände weisen sie gute Fahreigenschaften auf. Wenn es im Gelände nass wird, kommen sie natürlich schnell an ihre Grenzen, aber dazu später mehr.“

Bremsen: „Licht und Schatten, oder besser Sonne und Regen: Unter trockenen Verhältnissen verzögern sie gut und dosierbar. Lediglich ein gewisses Rubbeln macht sich bemerkbar. Auch lange Passabfahrten lassen keine Abnahme der Bremskraft feststellen.

Bei Nässe ist jedoch Vorsicht geboten. Sie werden laut und verzögern sehr schlecht. Das scheint an einem Flüssigkeitsfilm auf der Bremsscheibe zu liegen, der lange nicht, aber manchmal abrupt, abgebaut wird. Bei abruptem Abbau des Flüssigkeitsfilms ist doppelte Vorsicht geboten, weil sich die Bremskraft plötzlich und unvorhersehbar erhöht und zum Blockieren der Räder führen kann. Dies hat mich einmal auf nassem, losem Untergrund beinahe stürzen lassen.

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Die Magura Bremsen, die bei nassen Bedingungen erhöhte Reaktionsbereitschaft einfordern.“

Gabel: „Die Suntour NEX E25 ist meines Wissens ein sehr günstiges Modell und verhält sich auch so. Grobe Stöße werden gedämpft, kleine Vibrationen scheinen aber ungehindert ihren Weg in meine Arme zu finden. Durch die starke Belastung auf den Waldwegen weist sie auch bereits ein Spiel in der Führung der Holme auf. In der Kombination mit den rubbelnden Vorderbremsen ist das Verhalten beim Verzögern bei langsamen Geschwindigkeiten daher suboptimal und es schüttelt manchmal. Aber ich denke von einer Gabel in dieser Preisklasse soll man nicht mehr erwarten.“

Sattelstütze: „Mit der gefederten XLC Sattelstütze und dem Sattel selbst bin ich zufrieden. Wobei die Federung etwas weicher sein könnte, aber das liegt wohl auch an meinem unterdurchschnittlichen Körpergewicht.“

Motor: „Mit dem Bosch Motor bin ich sehr zufrieden. Nur das übliche Knacken beim Treten der Pedale innerhalb der ersten tausend Kilometer veranlassten mich meinen Händler zu besuchen. Dies konnte aber schnell behoben werden. Insbesondere die Kraft bei hohen Drehzahlen ist im Vergleich zu Yamaha Motoren (der einzige Vergleich den ich machen kann) hervorzuheben. Durch die ständigen Einsätze bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit (Schnee, Regen, Salz, …) warte ich schon auf einen Lagerschaden. Der ist aber noch nicht eingetreten. Falls es dann einmal so weit ist, weiß ich, dass es nach der Garantiezeit preiswerte Reparaturlösungen von Zweitanbietern gibt. Dies war auch der Hauptgrund mich für das populärste Aggregat zu entscheiden.“

Intuvia Display: „Mir fiel das Intuvia einmal eine sehr steile, zwanzig Meter hohe Felswand hinunter (Frage nicht…). Dabei wurde zwar das TFT-Display beschädigt (es zeigt seither nur mehr Akkustand und Unterstützungsmodus an; das Wichtige also), aber die Elektronik funktionierte nach wie vor. Das zeugt davon wie erschütterungsresistent die verbaute Elektronik ist. Ich fahre mittlerweile ein Jahr problemlos mit dem beschädigten Intuvia.“

Akku: „Manchmal scheint es einen Wackelkontakt zu geben. Einmal hat sich das Fahrrad spontan bei schüttelnder Bergabfahrt ausgeschalten und manchmal lässt es sich nicht übers Display starten. Diese Fehlerhäufigkeit hat mit der Zeit aber interessanterweise abgenommen.“

Schaltung: „Mit dem Shimano Deore XT 10-Gang Schaltwerk bin ich absolut zufrieden. Es schaltet sehr präzise und zuverlässig.“

Die Kosten für Verschleiß/Reparaturen nach etwa 4.500km:

  • KMC x10e Kette nach etwa 2500km – 35€
  • 2x M5x35 Schrauben + Sicherungsscheiben + Muttern für Ständerbefestigung – 3€
  • 1 x Gummiband vom letzten Spargeleinkauf für Schutzblechbefestigung – 0€
  • Kettenöl – 10€
  • Schlauch (Reifenpanne) – 4€

Demnächst werden aber der hintere Reifen (werde auf Marathon Plus Tour umsteigen) und eventuell bald wieder die Kette (werde auf Shimano XT-HG95 umsteigen) fällig.

Wartung:

„Wartung? Mein Fahrrad muss sich mit dem absoluten Minimum begnügen. Ich renige es eigentlich nie. Gelegentlich schmiere ich die Kette, wenn ich in starkem Regen fuhr, oder wenn sie sich akustisch bemerkbar macht. Ab und an überprüfe ich die Lagerungen auf Spiel und Leichtgängigkeit.

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Mein Fahrrad würde es absolut verdienen, öfter gereinigt zu werden. Dafür schlägt es sich aber ohne Reinigung einfach zu gut und wird viel zu schnell wieder dreckig.“

Resumé: Trotz der kleinen Widrigkeiten würde ich mich wieder für das gleiche Fahrrad entscheiden. Für 2400CHF habe ich ein City/Trekkingrad, das sich hervorragend als „Fahrrad-SUV“ für alles eignet. Ich benutze es für den täglichen Weg zur Arbeit über Stock und Stein, für Erledigungen in der Stadt, für längere Touren und sogar für gröbere Geländeeinsätze. Der größte Vorteil gegenüber einem Motorrad ist, dass ich auf meinen täglichen Strecken, anstatt normalen asphaltierten Straßen, Wald- und Ackerwege benutzen darf. Daher führen widrige Straßenbedingungen für Zweiräder auf Straßen, wie Regen, Schnee und Eis, bei mir zu erhöhtem Fahrspaß im Wald (Nötige Schutzkleidung vorausgesetzt).

Als mögliche zukünftige Nachrüstungen sehe ich,

  • bessere Bremsen,
  • ein stärker untersetzter erster Gang und
  • eine höherwertige Gabel,

damit mein Fahrrad auch in extremeren Situationen besteht.“

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Optimale Bedingungen für unterhaltsame Powerdrifts auf rutschigem Waldboden mit dem Schwalbe Road Cruiser.

Natürlich könnte ich mit einem richtigen Mountainbike im Gelände weiter kommen und vermutlich wären die Komponenten nicht überfordert und langlebiger. Ich habe auch ein Haibike Hardtail im Gelände getestet und war beeindruckt. Aber es wäre in der Anschaffung auch um einiges teurer (insbesondere wenn man Lichtanlage, Schutzbleche, Gepäckträger usw will). Und um auf die Schwalbe Road Cruiser bei nassem Geländeeinsatz zurückzukommen: Mit einer Mountainbikebereifung kann man sicher keine langgezogenen Powerdrifts bei 15km/h auf nassem Waldboden fahren. Fahrleistung ist eben nicht gleich Fahrspaß.

Allzeit sichere Fahrt wünscht, Sinusitis

Vielen Dank Sinusitis für den Text und die Fotos – ja die Fotos zeigen echt gut, wie du das Bike benutzt und was dir im Leben wichtig ist, oder eben unwichtig ist – PUTZEN! Bei deinem Einsatz würde ich spätestens bei jedem Kettentausch mal hinter der Bosch Motorabdeckung sauber machen und eventuell das Lager nachfetten. Die Drifts auf dem mit nassem Laub bedeckten Waldboden sind sicher erstklassig – wie schade dass es kein Video dazu gibt 😉 Ich wünsche dir weiterhin allzeit gute Drifts und gute Fahrt.

Hier gibt es noch mehr echtes Biker Feedback.

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