Schoensas Chike E-Kids mit Shimano Steps 6000 (Quick&Dirty)

Chike? Was? – Das war der erste Gedanke, als Schoensa ihr E-Kids im August 2018 registrierte. Ein echter Exot! Nach nun einigen Monaten intensiver Nutzung gibt es einen ersten Erfahrungsbericht.

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„Wer nicht gerne mit fremden Menschen kommuniziert, sollte besser kein Chike fahren.“

Falls du eher die klassischen LongJohn Cargos magst, kannst du mit dem Chike-Design wahrscheinlich erstmal nichts anfangen. Doch je mehr man sich beliest und die Hintergründe für das Design erfährt, desto genialer findet man das Konzept hinter dem Chike.

Mehr Informationen zu den Spezifikationen findest du hier.

Ein paar Tage nach Schoensas Anmeldung fand im Sommer 2018 eine Messe in der Nähe Stuttgarts statt (Forum Fahrrad in Fellbach), wo auch Chike mit dabei war. Genial! Ich wollte dieses Konzept unbedingt live erleben. Doch in meiner Elternzeit waren solche Ausflüge zeitlich nicht realisierbar – MIST! Wie ich später erfuhr, war die Messe leider ein totaler Flop.
[KORREKTUR 06.02.2019: Die Messe war  lt. Ausstellern hervorragend organisiert und fand in einem traumhaften Ambiente statt. Lediglich die Besucherzahlen blieben weit hinter den Erwartungen.]

Stattdessen schrieb ich Chike per Mail an. Knappe 2 Wochen später meldete sich dann tatsächlich der Geschäftsführer telefonisch bei mir. Leider liefen in diesem Moment meine Kinder gerade an einer viel befahrenen lauten Hauptstraße mit sehr schmalem Gehweg wild umher – das Gespräch habe ich als sehr freundlich, kurz und laut grob in Erinnerung behalten – und – dass Service bei Chike groß geschrieben wird!

Mal sehen, ob Schoensa das bestätigen kann?

1300 Kilometer seit Juni 2018 – eine für mich durchaus beachtliche Kilometerzahl, da ich davor fast zehn Jahre überhaupt kein Fahrrad besessen habe oder gefahren bin.“

Mobilität im Ruhrgebiet: „Gegen Ende der Elternzeit war mir klar, dass ich meinen Arbeitsweg nicht mit dem Auto fahren möchte.
Wobei „Fahren“ im Ruhrgebiet der falsche Ausdruck ist, „Schleichen“ trifft es eher!
Das Fortbewegungsmittel sollte also mich zur Arbeit bringen, das Kind auf dem Rückweg ebenfalls sicher transportieren und auch noch den ein oder anderen Einkauf unterbekommen. Die perfekte „Ausrede“ für ein Lastenrad, welches ich mir trotz Fahrradabstinenz schon eine ganze Zeit gewünscht habe.“

Lastenradsuche, die Qual der Wahl: „Auf der Cyclingworld in Düsseldorf hatte ich viele Hersteller auf dem Schirm, landete aber beim Betreten der Halle direkt vor einem Chike und traf auf eine äußerst überzeugende Verkäuferin. Nach ausführlicher Beratung und einer Probefahrt war ich angefixt – und dass, wo ich auf keinen Fall ein reines „Kindertransportrad“ haben wollte.

Allerdings punktete gerade die Kabine mit dem Fünf-Punkt-Gurt und dem umlaufenden Gestänge, schließlich war das Kind zu dem Zeitpunkt gerade erst ein Jahr alt. Weitere Pluspunkte sind die hervorragende Federung und die Spurbreite von gerade einmal 72 cm, die mir schon an einigen engen Stellen zugute gekommen ist.

Außerdem die automatisch Schaltung, die ich (außer an sehr steilen Steigungen) gerne in Anspruch nehme.

Praktisch sind außerdem die beiden Neigungsstufen: Am Anfang habe ich mich nur in die erste getraut, mittlerweile fahre ich nur in der zweiten. Zum Parken wird die Neigung ausgeschaltet und die Bremse gezogen, so dass das Rad einfach steht.“

Ein Händler vor Ort ist meist Gold wert! „Glücklicherweise ist mit Punta Velo nicht nur ein Chike Händler in meiner Heimatstadt Essen ansässig, sondern sie waren auch bereit, mir ein E-Kids von Freitag bis Montag zu leihen. An dem Wochenende konnte ich ausprobieren, wie es sich in meinen Alltag integrieren lässt. Das tat es so gut, dass ich kurz darauf bei Punta Velo bestellt habe. Die Probefahrt – möglichst auch über mehrere Tage – sollte man in jedem Fall machen. Ich finde das Dreirad super und hatte große Probleme mit einem zweirädrigen Lastenrad, mein Mann findet das Fahrgefühl des Dreirads eher merkwürdig.“

Einsatzbereich: „Seitdem fahre ich mit dem Rad zur Arbeit. Das Kind wird zur Tagesmutter gebracht, eingekauft, bei freier Kabine auch schon mal eine (Wagen)Ladung Altpapier zum Container gebracht. Der Mann nutzt das Chike gerne, um Getränke zu kaufen. Und am Wochenende standen letzten Sommer viele Fahrradtouren an, bei denen das Kind viel gesehen hat und außerdem Getränke und Knabbereien immer in Reichweite hatte. Noch mit dem „Leih-Chike“ haben wir eine vierstündige Tour mit einer Freundin gemacht, bei der die beiden Kleinen von mir gefahren wurden und das größere Kind und sie mit einem Mountainbike samt Anhänger unterwegs waren.

Das Kind ist noch zu klein, um es nach einer Meinung zu fragen, allerdings macht es einen zufriedenen Eindruck und fährt gerne mit „Mamas Auto“. Auch ein zweites Kind passt rein, was das ein oder andere Mal schon in Anspruch genommen wurde.“

Sommer, Herbst und Winter: „Allen Voraussagen zum Trotz bin ich auch im Winter schon öfter gefahren.

Nur bei heftigem Regen greife ich auf mein (noch) vorhandenes Auto zurück … Ich strample mich warm und das Kind ist in der Kabine geschützt und hat außerdem noch eine Lammfellunterlage und eine Decke. Während das Rad im Sommer meist auf unserem Hof gestanden hat, steht es jetzt in der Garage. Am Büro steht es allerdings den ganzen Tag draußen, nur die Batterie nehme ich bei niedrigen Temperaturen mit rein, damit sie nicht ganz so schnell platt ist. Geladen wird sie auch meist im Haus, wobei ich sie im Sommer auch schon mal samt Fahrrad an die Außensteckdose gehangen habe.

Mit einer Batterieladung schaffe ich (bei normalen Temperaturen) rund 45 km. Während ich am Anfang immer stoisch Eco oder Normal zugeschaltet habe, kenne ich mittlerweile meine Fahrtwege, schalte hoch oder runter oder manchmal den Motor auch komplett aus.“

Probleme: „Das einzige Problem, das ich mit dem Chike hatte, war eine verstellte Spur. Das habe ich leider nicht bemerkt, da ich das „richtige“ Fahrverhalten nicht kannte und so in 500 Kilometern meine Vorderreifen komplett abgefahren. Auf dem Weg zur Werkstatt ist dann ein Reifen geplatzt, so dass ich jetzt weiß, dass man mit einem Dreirad so schnell nicht umkippt. Die Spur wurde von Manuel von Chike, der auch bei allen anderen Fragen immer erreichbar war, persönlich eingestellt und die Reifen ersetzt. Die neuen Reifen sind nach 800 km noch wie neu.“
[ANMERKUNG 06.02.2019: STELLUNGNAHME VON CHIKE AM ENDE DES ARTIKELS]

Kleinere Kritikpunkte: „Die Boxen (Sonderzubehör) rund um die Batterie sind zum einen etwas schwergängig (trotz Silikonspray habe ich mir schon den ein oder anderen Finger gequetscht), zum anderen können sie nur geöffnet werden, wenn man sie abnimmt. Das ist diebstahltechnisch vielleicht beides ganz gut, um mal eben das Regencape rauszuholen aber eher lästig. Ich würde auf die Boxen mittlerweile verzichten.
[ANMERKUNG 06.02.2019: STELLUNGNAHME VON CHIKE AM ENDE DES ARTIKELS]

Da das Kind mit dem Helm anfangs gegen die Querstange gekommen ist, habe ich aus einer Decke eine Sitzerhöhung gebaut. Seitdem die 80 cm-Marke überschritten wurde, ist die Decke nicht mehr nötig.“

Fazit: „Auch nach 1300 Kilometern macht das Chike noch Spaß. Es fährt sich sehr gut, hat viel Platz für Kind und/oder andere Sachen, ist aber trotzdem kompakt.“

Zum Schluss noch eine Warnung: „Wer nicht gerne mit fremden Menschen kommuniziert, sollte besser kein Chike fahren. Ich werde auf fast jeder Fahrt angesprochen, ob von Lieferdienst-Fahrern, anderen Radfahrern oder Menschen an der Ampel. Mittlerweile kenne ich deshalb auch die meisten technischen Daten meines Rades.“

Ergänzung durch Pedelecmonitor: Die Beleuchtung ist auf den Fotos wirklich schwer zu erkennen. Mit etwas Hilfe von Schoensa konnte ich den wohl sehr hellen Scheinwerfer vorne ausmachen. (Fotos: Chike)

Vielen Dank Schoensa für deinen ehrlichen Erfahrungsbericht und die vielen tollen Fotos. Als Mutter hat man immer sehr viel um die Ohren, daher freue ich mich um so mehr, dass du für den Text und die Fotos Zeit gefunden hast. Mit den nur 72cm Breite nimmt das Chike in einem Hausflur bzw. Eingangsbereich nicht mehr Platz ein als ein Kinderwagen. Für das Leben in der hügeligen Stadt mit zwei oder drei Kindern stellt das Chike meiner Meinung nach eine ernste Alternative zum Auto dar. Ich wünsche euch allzeit gute Fahrt und viele tolle Touren in der Umgebung!

Hier gibt es weiteres echtes Biker Feedback.

Schoensa bloggt normalerweise auf Schöner Blog(t) (www.schoenerblog.de), kommt aber zur Zeit deutlich häufiger zum Radfahren als zum bloggen!

[ERGÄNZUNG 06.02.2019:]

Herr Prager, Geschäftsführer von Chike, nahm persönlich Stellung und stellte mir per Mail weitere Informationen zur Verfügung:

    1. Die Spur an dem chike war leider wohl bei der Auslieferung schon verstellt/nicht richtig eingestellt (hat sich nicht nachträglich verstellt, das kommt nicht vor). Dieses chike ist auch das einzige, bei dem dieses Problem leider aufgetreten ist. Durch noch weiter verbesserte Qualitätskontrollen vor der Auslieferung ist dieser Fall seitdem nicht mehr aufgetreten :-).
    2. Die Boxen haben wir überarbeitet, so dass sich diese jetzt sehr leichtgängig am chike befestigen und auch wieder abnehmen lassen. Auch für das Problem, dass die Boxen sich nicht öffnen lassen, wenn sie am Rad montiert sind, haben wir eine Lösung. Ab voraussichtlich März haben wir eine neue Version der Boxen im Angebot. Diese haben einen mit Zahlenschloss abschließbaren Deckel aus Siebdruckplatte und lassen sich auch öffnen, wenn sie am chike montiert sind. Schließt man die Boxen ab schließen diese sich auch am chike fest, so dass sie gegen Diebstahl geschützt sind.
    3. Der Punkt, dass das Kind mit dem Helm anfangs gegen die Querstange gekommen ist, ist auf eine nicht ausreichend gespannte Rückwand zurückzuführen. Diese muss eventuell vom Besitzer von Zeit zu Zeit nachgespannt werden. Bei ausreichend gespannter Rückwand sollte dieses Problem nicht auftreten.

 

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