Brico66s Riese&Müller Roadster Urban mit Bosch Active Line PLUS (10.000km+)

Manchmal passt der so hoch gelobte Supercharger nicht – das ist nun unser Glück, denn mit Brico66s Roadster Urban ist der erste wirkliche Langstreckenbericht zu einem Bosch Motor der dritten Generation online. Spannende Einsichten gibt es auch zum Gates Riemen. Weitere Erfahrungen kann man im Pedelecforum nachlesen.

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„Ein absolut spritziges Rad, das richtig Spaß macht.“

Brico66 ist ein echter Kilometermacher. Im Schnitt legt er mit seinem 25er Pedelec monatlich 1.000km zurück – eine wirklich starke Leistung! Im Januar hat er die 10.000km Marke durchbrochen und gibt hier nun die Erfahrungen preis. Weitere Informationen zu seinem Bike kannst du im Pedelecforum-Thread des R&M Roadster Urban nachlesen.

Alles fing mit dem SuperCharger an: Gesetzt war bei mir der Riemen und irgendeine Nabenschaltung mit Ausnahme der Nuvinci, die ich bereits früher Probe gefahren und als völlig unbrauchbar empfunden habe. Ich hatte zuvor ein Sinus B3 mit einer ganz billigen Nexus-Nabe und Kette, das lief eigentlich super (bis zum Crash des Classic-Motors bei knapp 35.000 km nach vier Jahren), allerdings musste ich etwa alle 2.500 km eine neue Kette aufziehen, alle 5.000 km auch neue Kettenblätter/Ritzel.

Da ich das nicht selbst machen kann und will, war das jedes mal nervig, auch wenn mein Händler für mich so eine Art „Boxengasse“ eingerichtet hat – nach dem Motto REINFAHREN, SOFORT BASTELN, WIEDER RAUS – also Riemen!

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Dann wollte ich unbedingt die Rohloff Schaltung, bin sie aber Probe gefahren und war ehrlich gesagt enttäuscht von der Schwergängigkeit beim Schalten, Übersetzung ist allerdings klasse. Zuletzt hatte mich der zweite Akku überzeugt, da ich ja täglich minimal 50 km, oft aber auch 60, 70 oder mehr am Tag zurücklege. Eine göttliche „Fügung“ hat dann gewollt, dass mein altes Rad im Januar den Geist aufgegeben hat und ich unbedingt sofort ein neues kaufen musste – und zufällig stand der SuperCharger nagelneu beim Händler fast komplett in meiner Wunschkonstellation. Dann bin ich also 300 km mit dem SuperCharger gefahren – im Januar gibt es keine Konkurrenz für Probefahrten :) . Und war danach gar nicht mehr überzeugt. Meine Minuspunkte waren (und sind):

  • das sehr hohe Gewicht
  • der weite Radstand (ich habe das Rad nur mit größter Mühe auf meinen Fahrradträger am Auto bekommen)
  • die enttäuschende Reichweite selbst mit zwei Akkus (ich schiebe das auf die Faktoren Winter, CX-Motor und die breite Bereifung)
  • der Motor ist toll, aber brauche ich das wirklich auf Kosten der Reichweite? Ich bin kein Mountainbiker, wozu dann das Drehmoment? Ich hatte den Motor vorher tatsächlich mal im schweren Gelände ausprobiert – da ist es tatsächlich beeindruckend, aber ich bin wie gesagt nie so unterwegs und kann auch gut damit leben wenn ein anderer einen besseren „Abzug“ hat.
  • Nachtrag: Der Motor ist vergleichsweise laut
  • die Handhabung der Akkus, da ich sie bei Minusgraden nicht am Rad lassen konnte => ich musste sie immer mühsam aus dem Rahmen raus- und wieder reinfummeln.
  • und der Preis mit rund 7.000 Euro (in meiner Wunschkonstellation) macht natürlich auch nicht wirklich glücklich.

Ok, da stand ich nun ohne Fahrrad und einer Enttäuschung. Dann bin ich auf den Roadster Urban gestoßen, der auch gerade nagelneu in einem „wunderbaren“ grün als Damenrad rumstand…ein paar Kilometer gefahren – et voilà.“

Weiterer Informationen zu den Spezifikationen findest du hier.

Der zweite Versuch, das R&M Roadster Urban: „Ich habe also kurzerhand das Teil in folgender Konstellation geordert:

  • Shimano Alfine 11-Gang DI2 (nie zuvor damit beschäftigt, also Sprung ins kalte Wasser)
  • Gates Riemen
  • mit der Trapez-Sattelstütze und Pedalen wie sie am SuperCharger verbaut ist
  • Unplattbare Bereifung
  • Nyon-Display (ich dachte, das ist dann auch schon egal :))
  • Scheinwerfer IQ-X
  • Gepäckträger
  • Farbe: schwarz

In der Summe habe ich dann Ende Februar etwa 4.200 Euro hingeblättert (stimmt nicht ganz, der Scheinwerfer wurde erst Wochen später geliefert) und bin Anfang März gestartet.“678_brico66_04

Fahrgefühl mit Bosch und Alfine: „Im Vergleich zum Bosch CX stellt man beim Bosch Active Line Plus keine störende Geräuschentwicklung fest. Ansonsten kann ich der schon gemachten Erfahrung nur zustimmen, dass es in der Kombination mit der Alfine und dem Riemen fast keinen Unterschied macht, ob man mit oder ohne Unterstützung unterwegs ist. Das Rad läuft jederzeit sehr leichtgängig und angenehm. In der Ebene und ohne Gegenwind kann man bequem die 30 km/h erreichen und halten.“

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Subjektiver Vergleich zwischen Active+ mit Riemen und Classic/CX mit Kette:
„Ich weiß, dass Tests/Vergleiche mit Kettenschaltungen und natürlich Ketten besagen, dass dort der Wirkungsgrad höher ist. Mag sein, ich kann mich aber absolut nicht beklagen. Bei meinem alten Pedelec war es jedenfalls definitiv schlechter (Nexus/Kette).
Auch bei Steigungen sehe ich keinen wirklichen Nachteil z.B. zum CX (außer beim Anfahren). Da hier einige Diskussionsteilnehmer offensichtlich aus Franken stammen, kennt vielleicht der eine oder andere den Kalchreuther Berg nördlich von Nürnberg, den ich jeden Tag zweimal hochdüse. Ich kann nur sagen, dass ich dort mit einem normalen Fahrrad mit 6 km/h unterwegs bin, während ich mit meinem Pedelec die etwa 1 km lange Steigung mit etwa 20 km/h ohne jedes Problem bewältige. Meine Frau mit ihrem nagelneuen Ghost samt Bosch CX  ist jedenfalls nicht schneller als ich.
Mein (subjektives) Fazit: ein absolut spritziges Rad, das richtig Spaß macht.“

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Reichweite: „Ich bin ein 100-Prozent Turbofahrer, ich will wirklich möglichst schnell in die Arbeit kommen (aber ohne S-Pedelec). Auf diese Weise schaffe ich mit meinem Rad im Sommer (eigentlich neuer Akku) etwa 75 km. Das reicht i.d.R. für einmal hin- und her. Bei Temperaturen um die 0°C habe ich in der Arbeit nachladen müssen und bin trotzdem mit einer angezeigten Restreichweite von nur 14 km zu Hause angekommen, wobei ich mich eigentlich nur auf die angezeigten Ladebalken verlasse, hier waren es noch etwa die Hälfte. Aber ich würde mal denken, mehr als 60 km wären ohne Nachladen bei diesen Bedingungen nicht machbar gewesen. Zum Vergleich: Mit meinem alten 400 Wh Akku bin ich mal nach 37 km im Winter liegengeblieben ….“

Riemen: „Der Gates Riemen war mein MUSS beim neuen Rad, nachdem ich mit der Kette ja ständig zu tun hatte.
Dazu muss man wissen, dass etwa die Hälfte meiner täglichen Strecke auf Asphalt, die andere auf geschotterten oder gesandeten Forstwegen stattfindet, es ist also auch jede Menge Dreck und in diesem Sommer unglaublich viel Staub beteiligt. Mit meiner alten Kette hieß das neben dem Wechsel alle 2 – 3 Monate eine mindestens wöchentliche Pflege mit intensiver Reinigung und anschließendem Ölen, was nervt und Dreck macht!

Das entfällt mit dem Riemen schon mal fast komplett, wegen des Staubs habe ich mein neues Rad ein oder zweimal die Woche kurz unter die Gartenschlauchdusche gestellt => fertig. Außerdem kann man hinfassen, ohne sofort die Hände waschen zu müssen! Irgendwann nach etwa 6.000 km hat der Riemen mal das Quietschen angefangen. Wir haben das dann zusammen beim Händler angeschaut, gereinigt und mit einem Silikon-Öl behandelt, seitdem ist wieder Ruhe. Ich denke, das lag wirklich an der enormen Staubmenge.“

Riemenantrieb – Wunsch und Wirklichkeit: „Ich hatte ja die Hoffnung, dass der Riemen mindestens 4 x solange hält wie eine Kette, also mindestens 10.000 km, da hatte ich nach rund 3.600 km die erste Pille zu schlucken:

Der Riemen ist einfach ohne Vorwarnung – natürlich mitten im Wald – gerissen.

Eine optische Kontrolle hat dabei aber keinen besonderen Verschleiß erkennen lassen, auch eine Nachfrage bei Gates hat nichts außer Ratlosigkeit ergeben. Im Rahmen der Gewährleistung wurde der Riemen kostenfrei getauscht, hat aber fast 10 Tage gedauert bis der neue Riemen geliefert war. Das war natürlich auch eine Lektion für mich: ich habe mir jetzt einen Reserveriemen für schlappe 100 Euro in den Keller gelegt. Der neue Riemen hat jetzt aber schon rund 6.500 km auf dem Buckel (Stand: 15.01.2019) lautund sieht auch noch aus wie am ersten Tag, die Ritzel ebenfalls.

Mein Fazit zum Riemen: bis auf den unschönen Zwischenfall absolut laufruhig und nahezu wartungsfrei. Nachteil ist, dass Ersatzteile teuer und oft nicht auf Lager sind, also am Besten selbst vorsorgen.“678_brico66_03-e1547470983355.jpg

Bosch Nyon: „Diese 300 € kann man sich sparen, das Navi ist eine Katastrophe, die Bedienung gruselig, alle paar Tage stürzt das Betriebssystem ab und bootet neu während der Fahrt. Die App hat unglaublich viele einfallsreiche Features, d.h. eigentlich keine :-(„

Umbauten:

  • „Zur Rahmengeometrie auch noch einige Worte: nach einigen Monaten haben sich bei mir Nackenschmerzen bemerkbar gemacht, ob das am Pedelec liegt oder an sonst was, weiß ich natürlich nicht […]. Ich habe mir jetzt aber Hörnchen an den Lenker gebaut, damit ich gelegentlich umgreifen kann und bilde mir ein, dass das auch etwas gebracht hat. Muss ich aber auf jeden Fall weiter beobachten.“
  • Gelohnt hat sich auf jeden Fall der Einbau der Sattelstütze.
  • Der Standardscheinwerfer ist ok, aber hier finde ich kann mehr nie schaden zumal ich auch sehr oft (Winter!) nachts oder eben bei Dunkelheit unterwegs bin. Die Nachrüstung des Busch&Müller IQ-X hat sich definitiv gelohnt.
  • Ich habe leider verpasst, den kaputten Riemen im Sommer zu fotografieren, aber wie gesagt, außer, dass er einfach auseinandergerissen war, sah er super aus :).“

Nachtrag zur Shimano Alfine DI2: „Vielleicht eines noch, ist aber eher ein Wunsch an den Hersteller: schön wäre es, wenn man mit dem Daumen vorne und z.B. mit dem Zeigefinger hinten am Lenker schalten könnte. So wie die Schalter angeordnet sind (direkt nebeneinander) muss man beim Schalten aufpassen, dass man den richtigen erwischt – und das geht manchmal eben schief. Aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau!“

Vielen Dank Brico66 für diesen detailreichen Erfahrungsbericht. Ich bin mir sicher, dass dir der zweite Riemen wie auch bei Hugo, oder richerto einige tausend Kilometer lang noch Freude bereiten wird, indem er absolut unauffällig macht was er soll. Mit deinem Fahrprofil wirst du sehr wahrscheinlich auch den Motor nicht kaputt bekommen. Der Active+ wurde u.a. vor meiner Haustür mehrere Wochen getestet, diese Steigung ist der Killer für jeden Motor. Ich wünsche dir weiterhin allzeit gute Fahrt!

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