Alpensprinters KTM Macina Race 29 mit Bosch Performance Line (10.000km+)

Alpensprinter ist neuer Melder der Bosch-Fraktion. Wo er am liebsten fährt, dürfte aus seinem Namen ableitbar sein. Er hat mit seinem 2015er KTM Macina in 30 Monaten über 404.000Hm auf 13.000km gesammelt – WOW! Warum er nach 40 Jahren auf ein EMTB umsteigt und wie die letzten 2 Jahre liefen, erfährst du in seinem kompakten Erfahrungsbericht.

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„Auf schlechten Wegen und einfachen Singeltrails ist das Macina Race zu Hause. Erst bei stark verblockten Wegen stößt man mit diesem Rad an seine Grenzen.“

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Motivation: „Nach 40 Jahren Rad fahren mit Rennrad und Mountainbike erlitt ich 2016 einen Trümmerbruch im linken Unterschenkel. Für den Wiederaufbau meiner Muskulatur kaufte ich mir ein KTM Macina Race 29“ e-bike, da es bei uns in Tirol eher wenig Flachstrecken gibt. Was soll ich sagen, seither bin ich damit über 13.000 km und über 400.000 Höhenmeter gefahren. Mir gefällt beim e-biken, dass der Maximalpuls nicht von der Steigung des Weges aufgezwungen wird, sondern von mir selber bestimmt werden kann. Meine Lebenspartnerin ist genauso vom e-bike begeistert. Wir lieben lange Tagestouren mit 2000-3000 Höhenmeter, dazu haben wir in einer Topeak Tasche immer jeder einen zweiten 500Wh Akku dabei.“

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Deshalb das KTM: „Gekauft habe ich zwei KTM Macina Race 29 Modell 2015 im Mai 2016 als Abverkaufsmodelle für mich und meine Lebenspartnerin in der Rahmengrößen 43 cm und 53 cm. Ein 2015er Modell sollte es wegen des reduzierten Preises und wegen der 10-fach Schaltung werden. Ich wollte auch nicht unbedingt den CX-Motor mit mehr Drehmoment. In meinen Augen war der CX-Motor nur eine marketingtechnische Antwort von Bosch auf den Yamaha-Motor, mit wenig Nutzen für den Konsumenten. Das Modell 2016 hatte bereits 11-fach Schaltung und den CX-Motor. Ich wollte unbedingt 10-fach, da in meinem Fahrradfuhrpark alle Räder mit Shimano 10-fach Ritzel ausgestattet sind. Diese Entscheidung hat sich schon mehrfach bezahlt gemacht, da ich die Laufräder der vorhandenen Mountainbikes problemlos mitverwenden kann und so günstig Laufradsätze mit Slicks und Spikes im Einsatz habe.  Auch beim Einkauf der Ketten wird es einfacher und günstiger.“

 

Weitere Informationen zu den Spezifikationen findest du hier!

Serienausstattung der KTM-Bikes Macina Race 2015:

  • Antrieb: Bosch Performance Line (ohne CX)
  • Bedienteil: Bosch Nyon
  • Bremsen: Shimano Deore XT M785 hydr. Disc mit Shimano RT81 Centerlock 180/180 Scheiben
  • Gabel: RockShox Reba SL
  • Zahnkranz: Shimano HG81 – 10fach
  • Reifen: Schwalbe Rocket Ron 29 x 2,25″
  • Akku: 1 x 400 Wh
  • Sattel: Selle Italia SL Flow
  • Sattelstütze: KTM Team SP-719 400/30.9

Nachträglich angebaut:

  • Gepäckträger: Topeak UNI Super Tourist DX
  • Gepäcktaschen: Topeak MTX Trunkbag Tour DX
  • Absenkbare Sattelstütze: RockShox Reverb Vario
  • Beleuchtung: Busch & Müller IQ CYO Premium 80 Lux
  • Schaftverlängerung: Satori Steuerrohrverlängerung
  • Antriebsritzel: SpeedUp Doppelantriebsritzel 14/18
  • Kassette: Umrüstung von 11-36 auf 11-41
  • Bremse: Shimano XTR BR-M9020 Trail und Rotor RT99
  • Sattel: SQlab 612
  • Griffe: Ergon GP3 Biokork
  • Akkus: 5 x 500Wh für zwei Räder

Einsatzbereich: Ich wiege 20kg mehr als meine Lebenspartnerin und das wirkt sich auf Stromverbrauch und Bremsbelagsverschleiß natürlich aus. Ich habe daher recht rasch mein Rad auf XTR Bremsen und vor allem auf die RT99 Rotoren umgerüstet. Unsere Räder werden kaum auf flachen Strecken eingesetzt, sondern es geht immer aufwärts und anschließend natürlich auch wieder abwärts. Die Beanspruchung des Materials ist daher einiges höher als im Flachlandbetrieb. Auf 13.000 km haben wir 400 Höhenkilometer zurückgelegt. Wenn man davon ausgeht, dass wir 6500 km aufwärts und 6500 km abwärts gefahren sind, ergibt das eine Durchschnittssteigung bei den 6500 km Anstieg von ca. 6%.

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Das nachträglich eingebaute Speedup Doppelritzel ist speziell bei schnellen Passabfahrten sehr hilfreich!“

Motor: „Die beiden Bosch Motoren hatten bisher noch keinerlei Probleme gezeigt. Einzig meiner quietscht kurz in letzter Zeit beim Anfahren in Steigungen. Ich habe aber beide Motoren auf der rechten Seite mit dem Lagerschutzring ausgestattet. Wir haben fünf 500Wh original Bosch Akkus mit je ca. 120 Vollladezyklen (laut Diagnosetool). Die Leistungseinbuße ist noch nicht wirklich spürbar. Da haben Wetter und Wegbeschaffenheit noch den Größeren Einfluss auf die Reichweite.“

Bremsanlage: „Der Bremsbelagsverschleiß ist bei unserem Fahrprofil natürlich enorm, alle 20.000 Höhenmeter sind die Beläge fertig. Das heißt ca. alle 800 – 1000km sind die organischen Beläge zu tauschen. Die Ketten überwache ich mit einer Verschleißlehre und tausche ca. alle 1500-2000 km die Kette. Daher kaufe ich die Ketten in der 20er und die Bremsbeläge in der 25er Packung. Die Bremsscheiben XTR Ice Tech RT99 halten ca. 2500 -3000 km.“

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Bereifung: „Die Reifen Schwalbe Rocket Ron 29 2,25 sind hinten nach ca. 2500 km zu tauschen. Vorne gehen sich bis zu 4000km aus. Wenn man die Verschleißteile nicht selber tauschen kann, wird es recht teuer bei dieser Fahrleistung.“

Schäden, Ausfälle, Defekte: „Den einzigen wirklichen Defekt den wir bisher mit den Bikes zu verzeichnen hatten, war eine blockierte Leerlaufratsche eines Hinterrades nach 9000km. Da kann man sich nicht beschweren.“

Bosch Anzeige, Konnektivität, Navigation und Software: „Zum Nyon wurde ja auch schon einiges geschrieben. Für unseren Anwendungszweck ist es ein super Gerät, da die gefahrenen Höhenmeter aufgezeichnet werden und man auch die aktuelle Höhe laufend angezeigt bekommt. Als Navigationssystem ist es eher unbrauchbar. Die Karten sind hingegen sehr wertvoll, auch in den Pyrenäen oder auf Korsika waren Wege eingezeichnet, die nur in sehr guten Wanderkarten zu finden sind.

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Kürzlich hatte ich Synchronisationsprobleme nach langen Touren, es wurden ganze Streckenabschnitte nicht übertragen. Vermutlich muss sich die Datenaufzeichnung mit den Karten den Speicherplatz teilen, ich hatte mit den Karten den Speicher zu 99% belegt. Nach einem neuen Kartenupdate, bei dem ich nur noch 60% des Nyonspeicherplatzes belegt habe, traten die Synchronisationsfehler nicht mehr auf. Ein kompletter Reset (drücken aller Tasten) war auch schon einmal notwendig. Trotz alledem, möchte ich das Nyon nicht missen.

Die von Nyon aufgezeichneten persönlichen Leistungs- und Drehmomentdaten sind nicht wirklich glaubwürdig, mir erscheinen sie zu hoch. Eine Steuerung des E-bikes über das Smartphone (z.B. Cobi.Bike) finde ich persönlich als Fehlentwicklung, ich möchte auf das e-bike steigen und losfahren und nicht vorher das Smartphon suchen und auf das Fahrrad aufstecken müssen.

Die Schiebehilfe brauchen wir im Gebirge immer wieder, leider ist die Schiebehilfe bei Bosch eine Daumenverkrampfungshilfe. Ich habe Bosch einen Brief zur Schiebehilfe geschrieben, es gab jetzt auch ein Update zur Schiebehilfe. Musste man früher einen hohen Gang einlegen um einigermaßen auf Schrittgeschwindigkeit zu kommen, so hat sich das nun geändert, der Motor dreht je länger man auf die Walk-Taste drückt desto schneller. Genau diesen Vorschlag habe ich Bosch gemacht, sie haben es erstaunlicherweise umgesetzt.

Allerdings ist die Walktaste selber immer noch eine Zumutung, ich werde im Winter versuchen eine bessere Lösung zu basteln.“

Transport und Laden unterwegs: „Da wir oft mit unserem Wohnmobil und den e-bikes unterwegs sind, ist der sichere Transport der Akkus natürlich ein wichtiges Thema. Ich habe mir dazu eine Transportbox gebaut. In der Transportbox sind vier Ladegeräte eingebaut. Der Transportkoffer hat im Wohnmobil einen fixen Platz mit einer eigens dafür installierten 230V Steckdose. Sobald ich das Wohnmobil auf dem Campingplatz an die Stromversorgung angeschlossen habe, werden die Akkus geladen. Zuhause steht diese Ladebox in meinem Akkuschrank aus Stahlblech. Ich hoffe so, die Brandgefahr, die von Lithium-Akkus ausgeht minimiert zu haben.

 

Hier sieht man auch schön, dass die Powerpack Akkus für Langstreckenfahrer besser geeignet sind als die doch sehr langen Powertubeakkus.“

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Außergewöhnliche Touren: Lange, anspruchsvolle Touren lieben wir. Mit einem Ersatzakku sind Touren bis zu 100 km und 3000 Höhenmeter möglich.

In den Pyrenäen sind wir einmal an einem Tag eine 4700 Höhenmeterrunde gefahren:

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Auch den Ötztalmarathon bin ich mit dem e-bike gefahren, allerdings wegen des Motorradverkehrs auf den Passstraßen fuhren wir in der Nacht. Das Nyon setzt alle Daten zu Mitternacht wieder auf Null.“

 

 

Zusammenfassung: „Das KTM Macina Race 29 ist ein sehr robustes e-bike welches mit Slicksbereifung auch bei Abfahrten bis zu 90 km/h sehr gute Figur macht. Auf schlechten Wegen und einfachen Singeltrails ist das Macina Race ohnehin zu Hause. Erst bei stark verblockten Wegen stößt man mit diesem Rad an seine Grenzen. Für Langstreckenfahrer, die zwangsläufig Ersatzakkus mitnehmen müssen, sind Räder mit den in den Rahmen integrierten Akkus nicht geeignet. Auch ein Fully wäre für mich nicht ideal, da ein Gepäcksträger am Fully sehr schwer zu befestigen ist. Wenn ich noch ein Macina Race 2015 bekommen könnte, würde ich es mir sofort kaufen und auf Lager legen.“

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Vielen Dank Alpensprinter für diesen detailreichen und anschaulichen Erfahrungsbericht, deinen Bericht vom Ötztalmarathon werde ich auch zeitnah verlinken, vielleicht bekommen da auch andere Leser plötzlich mitten in der Nacht enorm Lust, einen Gipfel zu stürmen! Tolle Fotos, toller Einsatz, tolle Bereicherung. Ich wünsche dir und deiner Frau noch viele weitere spannende und pannenfreie Höhenmeter – allzeit gute Fahrt!

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