Fahrradfahren ist gesund! Pedelecfahren auch? – Die zweite Messperiode

Seit der ersten Messperiode der MHH sind schon wieder 11 Monate vergangen. Es kam Post mit Fragebögen und Pulsuhr zur zweiten Messperiode. Neben den erfassten Werten der Pulsuhr dokumentiert die MHH Studie auch Informationen zu Unfällen und Gefahrensituationen. Es gab in den 12 Monaten viele blöde Situationen, meist war es die Mißachtung meiner Vorfahrt oder zu geringer bis gar kein Sicherheitsabstand beim Überholen.

„[…] Auf die Frage, warum er meine Kinder zu Halbweisen machen will, bekam ich keine plausible Antwort.“

Bei den Unterlagen ist stets auch ein Unfallbogen dabei. Dieser soll nicht nur bei echten Unfällen, sondern auch bei einer vermiedenen kritischen bzw. gefährlichen Situation ausgefüllt werden. Diese Beschreibung ist etwas schwammig, für mich habe ich diesen Zustand folgendermaßen definiert:

  1. Wenn ich nach einer Reaktion beispielsweise einer (Not-)Bremsung einfach weiterfahren konnte, war ich instinktiv auf die Gefahrensituation vorbereitet.
  2. Habe ich danach gezittert, egal ob nur an Beinen, Armen oder am ganzen Körper, war das eine gefühlte Gefahrensituation, die für einen Adrenalinausstoß sorgte.

Ich war überrascht, wie viele der unter 1. genannten Situationen es pro Tag gibt, die zweiten sind Gott sei Dank selten, hier nun die Auflistung der zweiten Kategorie:

  • Oktober 2017: Ein Mercedes überholt mit viel Abstand, schert aber zu früh ein und drängt mich an den Bordstein. Durch eine Notbremsung vermeide ich einen Sturz – der Rentner war sehr erschrocken, als ich an der nächsten Ampel seine Tür aufriss und ihm lautstark mitteilte, was da grad schiefgelaufen war. –> Unfallbogen!
  • Januar 2018: Das Wetter war schon wärmer und ich hatte die Spikes gegen normale MTB Reifen getauscht – das war ein Fehler! Neben kaputtem Helm und löchriger Hose fehlt seitdem ein kleines Stück Zahn. Die vereiste Fläche auf dem Wirtschaftsweg war nicht zu erkennen. Trotz Gegenlenken und Abfangversuch mit den Füßen rutschte das Vorderrad weg und ich landete unsanft auf dem Natursteinboden. — Unfallbogen!78_Rolle_21
  • Februar 2018: Binnen 20 Sekunden schossen zwei Außenspiegel nacheinander ca. 30cm an meinem Lenkerende vorbei – dabei war eine vollwertige zweite Fahrspur zum Überholen vorhanden. Eine Gegenreaktion, außer das Schlingern wieder unter Kontrolle zu bringen, war gar nicht möglich! Beide Fahrzeuge holte ich an der nächsten Ampel ein. Der hintere PKW-Lenker ist ein Bekannter, der die Strecke jeden Morgen fährt – er bekam den ersten emotionalen Wutanfall ab. Der Taxifahrer etwas weiter vorn hatte einen Fahrgast und wurde eher sachlicher aber auch laut angeschnauzt. –> trotz Zittern und Wut kein Unfallbogen.
  • März 2018: Auf der Landstraße fuhr ein Geländewagen mit weit mehr als 80km/h etwa 40cm an meinem Lenkerende vorbei. Der Windzug und das damit verbundene Schlingern war gewaltig – der Adrenalinstoß dementsprechend groß! Ich holte ihn im nächsten Ort auf einem Parkplatz ein. Auf die Frage, warum er meine Kinder zu Halbweisen machen will, bekam ich keine plausible Antwort. Ich verlangte einen Schokoriegel, damit das Zittern wieder weggeht und ich weiterfahren kann, ich bekam 2 Bonbons. –> trotz Zittern und Wut kein Unfallbogen.

Nach dem ersten ausgefüllten Unfallbogen gab es per Post einen neuen – ein nettes Post-it war darauf angeheftet: „Hoffentlich brauchen sie ihn nicht – aber nur für den Fall :)“. Danke an die netten Studienbetreuer!

Mittlerweile kann der Unfallbogen digital ausgefüllt und direkt übermittelt werden.

Rein zufällig habe ich am 20.11.2018 im Fahrradfilter passendes Bildmaterial zum Thema „Abstand beim Überholen“ gefunden. Die ersten 50 Sekunden des aktuellen Videos von „Cyclista Hamburg“ zeigen die Problematik.

 

Die von mir oben beschriebenen Gefahrensituationen waren jedoch selten und damit absolute Ausnahmen – sehr oft habe ich mich über Rücksicht gefreut, ob es nun der gehaltene Abstand des hinterherfahrenden Fahrzeugs wardas einfach mal nicht bei gefahrenen 27km/h in der 30er Zone überholen musste oder aber der Verzicht auf „Rechts vor Links“ diverser PKW-Führer bei strömendem Regen oder eisiger Kälte, damit ich schneller ans Ziel komme.

Zurück zur MHH-Studie

Der Brief kam 3 Tage vor dem Start der Messperiode. Dieses Mal war die Uhr perfekt eingestellt, die Unterlagen wie gewohnt vollständig und verständlich. Wer bei der ersten Messung mitgemacht hat, wird auch bei der zweiten Messung keine Fragen haben. Die Software zur Synchronisierung der Uhr merkte einmal an, dass es jetzt eine andere Uhr sei, diese wurde auf Knopfdruck als weitere Hardware hinzugefügt und alles funktionierte wie gewohnt.

MHH_2_Briefumschlag

Was ich bei der Anmeldung in 2017 nicht wusste, war, dass ich bei Messstart Nummer zwei Mitte September bereits längere Zeit in Elternzeit und dementsprechend untrainiert und auch seit Juli meist nur zu Hause war.

Deshalb ist es sehr schade, dass ich insgesamt nur 3 Messungen durchführen konnte. Damit bin ich als Testperson sehr warscheinlich nicht mehr geeignet und der Datensatz damit nicht aussagekräftig. Dennoch hat es Spaß gemacht! Allein die Erkenntnis, wieviel Energie man täglich auf dem Bike braucht, egal ob Biobike oder Pedelec, war es für mich wert mitzumachen (1.200kcal pro Tag).

Ich werde vorraussichtlich im März 2019 nach 4 Jahren Pedelec-Pendeln die 30.000km Marke erreichen. Auto- oder Bahnfahren sind, sofern ich auf Kurz- oder Mittelstrecken allein oder mit nur einem Kind unterwegs bin, keine wirkliche Option mehr. Der seit langem rumstehende Zweitwagen wurde nun verkauft.

Polo_Verkauf

Ich freue mich auf die Ergebnisse der Studie und hoffe, ich konnte den Einen oder Anderen über meinen ersten Erfahrungsbericht zum Mitmachen bewegen.

Allzeit gute Fahrt und vergesst nicht, beim Losfahren Start auf der Uhr zu drücken.

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