Kalles Stromer ST1X mit Cyro Drive (Quick&Dirty)

Kalle ist Frischling im Pedelecmonitor (danke Jo!). Zwei Stunden nach seiner Anmeldung brachte er als Einstand gleich einen ganzen Erfahrungsbericht mit 7.000km in 8 Monaten – und vom vorhergehenden Raleigh gibt es auch einiges zu berichten! Das ST1X ist ein weiteres Bike aus dem ExtraEnergy Yearbook.

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„Nach […] 7000KM mit dem ST1X kann ich bis jetzt behaupten, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, von einem Mittelmotor S-Pedelec zu einer Lösung mit Hinterradnabenmotor zu wechseln.“

Seit nun knapp einem Jahr ist der harte Kern der Stromerbiker aus dem Stromerforum hier im Pedelecmonitor dabei und gibt regelmäßig aktuelle Kilometer- und Schadensmeldungen durch. Mit Kalle ist ein ganz neuer dabei, einer der mehr als 900km im Monat fährt – STARK! Lob und Kritik des Stromer ST1X – los geht’s:

„Nach zwei Jahren und 17000 KM Fahrleistung mit zwei S-Pedelecs ist es nun Zeit für ein Feedback.“

Die Strecke: „Im November 2016 habe ich mich entschlossen den täglichen Weg zur Arbeit statt mit dem Auto mit einem S-Pedelec zurückzulegen.

Das Pendeln zu meinem Arbeitsplatz kann man wie folgt beschreiben: Morgens 25KM mit höchster Unterstützungsstufe in 45min zur Arbeit und Nachmittags wieder auf die gleiche Art nach Hause.“

Erster Versuch: „In meiner Naivität und dem Glauben das es ein geeignetes Gefährt für diesen Zweck gibt, habe ich mich für ein Raleigh Stoker S10 mit Impulse Motor 2.0 entschieden.

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Zu dem Impulse Motor wurde in Pedelecmonitor schon oft berichtet. Nicht verwunderlich, dass es des Öfteren einen Werkstattaufenthalt geben musste. Insgesamt habe ich drei Motoren verschlissen:

  1. Motor bei Tachostand 1500KM defekt
  2. Motor bei Tachostand 4000KM defekt
  3. Motor bei Tachostand 8500KM defekt

Außerdem gingen etliche Kettensätze drauf. Kurzum so konnte es nicht weitergehen. Meiner Meinung nach gibt es für meinen Einsatzzweck noch keine technische Lösung mit Mittelmotor.“

Zweiter Versuch 2: „Schließlich habe ich mich zur Anschaffung eines Stromer ST1X entschieden. Und siehe da, es geht doch!

Weitere Informationen zu den Spezifikationen findest du hier!

Das Bike macht keine Probleme. Ich konnte sogar mein Auto verkaufen, weil keine Werkstattbesuche mehr notwendig sind. Mit dem 983Wh Akku muss ich auch nicht mehr auf der Arbeit zwischenladen und zu Hause angekommen, sind noch ca. 30-40% Akkuleistung verfügbar. Größere Ausflüge am Wochenende sind damit auch kein Problem mehr. 70KM mit voller Unterstützungsstufe (Stufe 3) oder 140KM mit Stufe 2. Mit Stufe 1 geht bestimmt noch mehr (habe ich noch nicht ausprobiert).“

Das Stromer ST1X wurde mit SEHR GUT bewertet in der Kategorie „Lifestyle“ im ExtraEnerga Yearbook 2017 LINK.

„Eigentlich könnte man jetzt den Bericht schon beenden aber was gut ist, kann man ja noch besser machen. Ich habe einige Punkte festgestellt, welche aus meiner Sicht noch etwas optimiert werden müssten oder schon von mir verbessert wurden:

  • Kettenschutz: Das wesentliche Problem besteht darin, dass das ST1X keinen Kettenschutz hat. Die Kette liegt frei, der Schmutz wird vom Vorderrad direkt nach hinten Richtung Kettenblatt befördert. Die Kette wird somit permanent mit Schmutz verdreckt. Das bedeutet einen hohen Verschleiß der Kette und dem Ritzelpaket. Um dieses Problem zu beseitigen habe ich einen Kettenschutz entwickelt und angebaut.Damit ist der Kettenverschleiß beim Stromer kein Thema mehr. Die Kette wird wie bei einem Fahrrad belastet. Ich denke der Kettensatz hält bestimmt 10000KM und mehr.
  • Kleiner Tip von mir: Beim Schmieren lieber etwas weniger statt mehr, ich nehme Sonax Kettenspray – alle 500KM einen dünnen Schmierfilm und dann mit dem Lappen abreiben. Das Kettenschmiermittel sollte nur in die Kapillarflächen eindringen. Die Kettenoberfläche möglichst ölfrei halten. Denn Schmutzpartikel mögen gerne an öligen Oberflächen haften bleiben. Der Spruch „Wer gut schmiert fährt gut“ gilt hier nach meiner Meinung/Erfahrung nicht.
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3D-Modell als Basis für den 3D-Druck (Material: Polyamide SLS)

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  • Beleuchtung: Das Hauptlicht ist soweit OK. Was fehlt, ist eine Fernlichtfunktion. Bei diesen hohen Geschwindigkeiten ist es sehr gefährlich, auf abgelegenen und unbeleuchteten Strecken zu fahren. Deswegen habe ich eine zusätzliche Lampe als Fernlicht montiert.730_kalle_03-e1541957248444.jpg
  • Hinterradbremse: Die Bremsfunktion ist einwandfrei aber die Geräuschentwicklung ist enorm. Ein Quietschen, welches sich laut meinem Händler/Service nicht beheben lässt, ist sehr störend. Hier gibt es noch keine Lösung von Stromer.
  • Abdeckung des Akkus / seitliche Rahmenöffnung: Die Gummidichtlippe liegt nicht regelmäßig umlaufend am Rahmen an. Somit kann Feuchtigkeit eindringen. Beim Händler/Service wurde versucht, durch Nachjustage des Scharniers den Anpressdruck zu erhöhen. Leider wurde der Zustand nur unwesentlich verbessert. Abhilfe schafft hier nur ein Band in der Mitte der Abdeckung, um den Anpressdruck zu erhöhen . 
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Dichtlippe liegt nicht richtig an.

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Band zum Erhöhen des Anpressdrucks
  • Vorderes Schutzblech: Im Bereich der Streben welche nach hinten zeigen und der Verbindungsstelle zum Schutzblech ist es zu wackelig/weich ausgeführt. Das Schutzblech fängt bei Bodenunebenheiten an, sich zu schütteln/vibrieren und kommt kurz an den Vorderreifen. Die Streben habe ich verstärkt. Kein Problem mehr.
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    Zusätzliche Strebe als Verstärkung
  • Bereifung: Die montierten BIG-BEN Schwalbereifen haben bei Nässe eine sehr geringe Haftung. Beim Bremsen und in Kurven kann dies schnell gefährlich werden. Ich habe deswegen die Reifen gewechselt und fahre seitdem die Continental Topcontact Winter. Die haften sehr gut auch bei Nässe und der Verschleiß ist auch OK. Ich schätze vorne halten sie etwa 10000KM und hinten etwa 6000KM. Ein Reifen kostet ca. 50 Euro pro Stück.
  • Lenker: Dieser ist für meinen Geschmack zu flach ausgeführt. Man „liegt“ schon sehr sportlich auf dem Bike. Ich bevorzuge eine etwas aufrechtere Haltung und habe deswegen einen Lenker mit Abkröpfung nach oben angebaut. 8cm erhöhte Lenkerenden sorgen nun für eine angenehme Sitzposition.730_Kalle_07

Nach 8 Monaten und 7000KM mit dem ST1X kann ich bis jetzt behaupten, dass es die richtige Entscheidung gewesen ist, von einem Mittelmotor S-Pedelec zu einer Lösung mit Hinterradnabenmotor zu wechseln. Ich bin sehr gespannt wie sich die technische Entwicklung in diesem Segment in Zukunft entwickeln wird.“

Danke Kalle für deinen ehrlichen Erfahrungsbericht. Dein Vorteil ist sicher, dass du bereits sehr lange mit einem Mittelmotor unterwegs warst. Die Vor- und Nachteile beider Antriebssysteme hinsichtlich Wartung, Verschleiß, Kosten und der Charakteristik sind dir wohl bekannt. Es kristallisiert sich heraus, dass du deinen Favoriten gefunden hast – wobei, bist du schon das ST3 gefahren? Oder das ST5? Widerstehe der Versuchung und bleibe bei deinem ST1X – allzeit gute Fahrt!

Weitere Erfahrungsberichte – Echtes Biker Feedback!

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