Tgindia_flys Flyer TX 7.70 HS mit Bosch Performance Speed (Quick&Dirty)

Tgindia_fly ist nun seit 12 Monaten mit seinem schnellen Flyer TX unterwegs und hat dabei 4.500km hinter sich gebracht. Er verfasste in wenigen Tagen einen sehr eindrucksvollen Erfahrungsbericht, in dem ganz klar sein Fokus erkennbar ist, nämlich – ein gutes Bike kann man immer verbessern! Hier nun die Antworten zu – Was ist gut? Was geht besser? Und warum überhaupt ein S?

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„Sportlich, agil und sehr wendig […].“

Tgindia ist bereits seit 2016 absolut regelmäßiger Melder im Pedelecmonitor und damit seit der „ersten Stunde“ dabei. Da S-Pedelec Biker wirklich rar sind, freue ich mich umso mehr, hier seine Erfahrungen veröffentlichen zu dürfen.

Der Weg zum S-Pedelec: Wer einigermaßen sportlich ist, wird bei einer Probefahrt schnell merken, dass er bei 25 km/h (manch Antrieb stellt auch erst ein paar Kilometer darüber seinen Dienst ein) schnell ohne Unterstützung dasteht und das höhere Gewicht eines Pedelecs alleine gegen die Naturkräfte schiebt. Ein ständiges Spiel von
— langsamer und unterstützt werden / schneller und ohne Unterstützung fahren —
beginnt und nervte mich vom ersten Kilometer an.

Da haben es die Amerikaner besser – dort sind 20 Meilen / 32 km/h erlaubt – was für mich ausreichend gewesen wäre. Aber ich lebe nun mal hier und möchte auch noch ins Geschäft pendeln, das sind 25km pro Strecke im Flachland.

Motortuning war aus versicherungstechnischen Gründen keine Option (wenn auch möglich) und somit fiel mir die Entscheidung für ein S-Pedelec sehr leicht.

2016 legte ich mir dann ein Haibkike SDURO Trekking S RX zu. Ein wunderbares Gefährt mit einem in meinen Augen wunderbaren Preis-Leistungsverhältnis. Die unsensible Suntour Stahlfedergabel wurde durch eine Luftfedergabel von Rock Shox getauscht. Eine gefederte Suntour Sattelstütze und Ergon Griffe mit Hörnchen komplettierten das Bike mit dem ich 3.500km unterwegs war, bis es jemanden noch besser gefiel und es zu den Rädern noch Füße bekam.

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Abzüglich des Zeitwerts und Eigenanteil wurde der Schaden schnell reguliert und ich stand wieder vor der Entscheidung – welches Rad sollte es diesmal werden? Was habe ich aus dem Jahr gelernt? Eines war sicher, so verwöhnt wie ich von meinen Downhillern war musste es diesmal ein vollgefedertes S-Pedelec werden.

2017 gab es ganze 3 Hersteller, welche ein schnelles und zugleich vollgefedertes Bike anboten:

  • Riese&Müller
  • Flyer
  • Bergstrom

Auch heute ist meines Wissens kein vernünftiger Hersteller bzw. Radmodell hinzugekommen.

Also Entschied ich mich nach einer kurzen Probefahrt für das
Flyer TX 7.70 HS Modell2018 und schildere hier nun nach einem Jahr und etwas über 4.500km meine Erfahrungen.“

Die Flyer TX-Serie wurde mit SEHR GUT bewertet in der Kategorie „City Comfort“ im ExtraEnerga Yearbook 2017LINK.

Optik und Ausstattung: „Optisch ist das Rad sehr gelungen. Ich würde es als Stealth Bomber beschreiben. Filigran, unauffällig und wenn nötig ein absolutes Geschoss. Aber Geschmack liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Am verwendeten Komponentenmix gibt es jedoch wenig zu mäkeln – an den wichtigen Stellen ist Shimano XT verbaut. Luftfedergabel / Dämpfer von Rock Shox und der Bosch Performance Line Motor mit Nyon Display.“

 

Weitere Informationen zu den Spezifikationen findest du hier.

Geometrie: Der Rahmen wurde so gestaltet, dass das Tretlager/Motor etliche Zentimeter höher angebracht sind als üblich. Das mag bei einem MTB sinnvoll sein um mehr Luft nach unten zu haben, für ein Trekkingrad ist es jedoch eher unangebracht. Schließlich wird dies mit einem unangenehmen Nebeneffekt erkauft. Hat man den richtigen Sattelabstand zu den Pedalen eingestellt, erreicht man mit den Füßen nicht mehr den Boden!

Das Oberrohr ist sehr weit abgesenkt was es Leuten, welche eventuell das Bein nicht über den Sattel schwingen möchten, unheimlich leicht macht aufs Rad zu kommen.“

Fahrverhalten: Sportlich, agil und sehr wendig (zumindest mit den Standardkomponenten – welche ich aber modifiziert habe, doch dazu später mehr).

Soviel Vorteile der filigrane und leichte Rahmen auch haben mag einen gravierenden Nachteil hat er jedoch.

Bei schneller Fahrt (ab 30km/h) will der Lenker gut festgehalten werden. Wer mutig ist wackelt mal mit dem Lenker hin und her. Dann beginnt das Rad sich von vorne nach hinten aufzuschwingen. Freihändig fahren? Selbst in niedrigen Geschwindigkeiten ist davon besser abzusehen.

Wer auf Wackelspielereien verzichtet und den Lenker mit Beiden (oder einer kräftigen) Händen führt, kann den schnellen und überaus komfortablen (ich sag nur vollgefedert) Ritt voll und ganz genießen!“

Motor: Im Pendelbetrieb erreiche ich Durchschnittsgeschwindigkeiten von 37 km/h und die Höchstgeschwindigkeit mit 43 km/h. Der Motor regelt leider schon ab 42 km/h die Kraft spürbar runter und trotz ausgeprägter Oberschenkel erreiche ich die 45 km/h nicht. Bosch geht da auf Nummer sicher.

Leider ist das Getriebe bei leerem Akku oder wenn die Unterstützung bei 42km/h rausgenommen wird nicht von der Tretkurbel entkoppelt. Sprich, man kurbelt das Getriebe immer mit. Das kostet Kraft, ebenso die Übersetzung des kleinen vorderen Kettenblattes. Das können Brose&Co. besser. Bosch mit der nächsten Motorengeneration sicher auch…“

336_tgindiafly_11.jpgAkku: Die 500Wh reichen in meinem Fahrprofil (Waldwege in der Ebene) für 30km im Turbomodus und 60-70km im gemischten Betrieb. Diesbezüglich ist der Reichweitenrechner sehr exakt und hilfreich (https://www.bosch-ebike.com/de/service/reichweiten-assistent). Für die Pendelstrecken habe ich im Geschäft noch ein Ladegerät deponiert um auch im Turbomodus wieder zurückkehren zu können.“

Nyon: Die Handbedieneinheit ist recht hoch aufgebaut und nicht unbedingt ergonomisch. Heute würde man das sicher mit flachen Sensortasten realisieren. Immerhin ist aber alles funktional und verständlich bedienbar.
Das große Nyondisplay ist von der Konfigurierbarkeit und dem möglichen anzeigbaren Inhalt natürlich etwas für Nerds wie mich und somit Pflicht.

Auch wenn das Nyon Online-Portal immer wieder mit serverseitigen Auswertefehlern glänzt, welche wochenlange Emailkorrespondenz mit dem Bosch Service erfordern bis sie behoben sind, gefällt mir das Angebot recht gut.

Ich bin gespannt was hier die Zukunft noch bringt.

Getauschte Komponenten:

  • Pedale: „Die Standardpedalen wurden bei feuchtem Wetter aalglatt und durch Shimano PD-T 8000 Kombipedale (Klick und Plattform) ersetzt.336_tgindiafly_03
  • Ständer: Der Standardständer Pletscher Ara 18 (mit Rückholfeder – welche damals noch Pflicht war), schwingt bei schneller Fahrt lautstark hoch und runter. Er wurde von Flyer auf Garantie gegen einen Pletscher Flex 18 ohne Feder getauscht (angeblich gab es mal einen Produktionszeitraum mit zu schwachen Federn). Der neue Ständer schwingt jedoch nach 2 Monaten auch wieder munter durch die Gegend.336_tgindiafly_04An Mofas bleiben Ständer ja auch da wo sie eingeklappt hingehören und eigentlich erwarte ich das auch von einem S-Pedelec geeigneten Ständer. Tausch Nummer 3 steht bevor.
  • Sattelstütze: Wie erwähnt ist das Tretlager recht hoch angebracht, der Boden mit den Füßen fast nicht mehr zu erreichen. Für etwas komfortablere Ampelstops und Sicherheit im Gelände habe ich eine absenkbare Sattelstütze von Kindshock eingebaut.
  • Sattel: In meinem Fall das einzig wahre für mein empfindliches Hinterteil. Der Fisio GTC von Terry.336_tgindiafly_05
  • Vorbau: Der Standardvorbau war mir mit 15° Grad Neigung wesentlich zu sportlich und wurde gegen einen Swell-R Ahead 70 von ERGOTEC ersetzt, welcher mir nun eine entspannte(re) Sitzposition ermöglicht.336_tgindiafly_06
  • Scheinwerfer: Da ich viel im Dunkeln fahre ist es bei hohen Geschwindigkeiten umso nötiger eine weite und vor allem breite Streckenausleuchtung zu haben. Meine Wahl viel auf die Lupine SL B mit perfekt integrierter Boschhalterung. Blendfreie 900 Lumen und StVZO konform. Allerdings sündhaft teuer!336_tgindiafly_07Zuvor muss allerdings der Händler des Vertrauens die Scheinwerferansteuerung von 6V auf 12V umstellen (sonst bleibt die Lampe eine dunkle Funzel)!

 

  • Unterschied zwischen Serien- und Lupinescheinwerfer

Verschleiß:

  • Die Shimano HG95 Kette war nach 3.200km fertig und wurde durch eine Connex 10Se getauscht.
  • An diversen Schraubenköpfen und Schnellspannern hat sich etwas Rost niedergelassen.
  • Das Vorderradschutzblech ist im Bereich der genieteten Aufnahme gerissen, welches jedoch im Rahmen der Garantie getauscht wurde.
  • Die Bremsbeläge halten sicher noch 1.000-2.000km und werden dann gegen leistungsfähigere von TRICKSTUFF (830 POWER) getauscht.“

 

Fazit: Da ich die rahmenbedingte Flattrigkeit bei hohen Geschwindigkeiten sprichwörtlich im „Griff“ habe und durch den Tausch einiger Komponenten, den ohnehin schon hohen Fahrkomfort nochmal deutlich steigern konnte, ist so nun mein Traumbike entstanden. 

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Aktuell gibt es wenig Konkurrenz (Stand Ende 2018) und somit würde ich es, trotz des hohen Preises, wiederkaufen.“

Danke tgindia_fly für deinen absolut ehrlichen und mit ausdrucksstarken Fotos versehenen Erfahrungsbericht. Wenn ich mir das letzte Foto mit der Ausleuchtung der Lupine SL anschaue, komme ich mir vor, als würde ich mit einer Kerze am Lenker rumfahren – WOW! Wenn die Basis des Bikes stimmt, dann kann eine Optimierung der Komponenten sinnvoll sein und Spaß machen. Das Problem am Ganzen ist, diese für einen selbst passende Basis als Rahmen und Antrieb ersteinmal zu finden. Ich freue mich, dass du und dein Flyer so gut zueineander passt. Weiterhin allzeit gute Fahrt!

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