RF48s Villiger Ontario mit Binova Flow (Quick&Dirty)

Ich freue mich, einen Anwender des anderen sächsischen Nachrüstsystems gefunden zu haben. RF48 ist seit etwa 12 Monaten und über 5.000km mit dem Binova Flow unterwegs. Ein toller Fund – wie so oft aus aus dem Pedelecforum.

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„Mich hat dann der einfache Einbau und die Tatsache, dass der Antrieb ohne Getriebe auskommt, überzeugt.“

Der Binova interessiert mich schon lange! Ich habe aber dazu nie Langzeit-Erfahrungswerte im Netz finden können. Erst Alexander Theis von Velostrom fuhr damit eine längere Strecke bis nach Berlin. Seitdem interessiert mich der Antrieb, insbesondere wie er sich an einem voll beladenen Cargo-Bike verhält. Testen kann man die Bikes übrigens auch, für rund 75 Euro Speditionskosten wird dir ein City-Bike für bis zu 14 Tagen überlassen. Diesen Service hat übrigens auch RF48 genutzt:

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Der Biker RF48: „Ich bin 70 Jahre, fahre im Jahr zwischen 7.000 und 10.000 km, davon noch die Hälfte mit dem Bio-Bike. Gefahren wird bei jedem Wetter, auch im Winter.

Meine Frau und ich fahren auch viele Touren zusammen, unter anderem sind wir schon durch Irland und durch Estland, Lettland, Litauen gefahren. Die längeren Touren fahre ich dann mit meinen Freunden.

Eigentlich bin ich noch der „Bio-Biker“, aber, als wir im Sommer 2016 zu dritt nach Venedig gefahren sind, hatte mein Freund sich gerade vorher ein Pedelec mit Bosch Motor gekauft. Besonders in den Bergen sah ich natürlich die Vorteile. Als wir dann wieder zurück waren, habe ich mich mit den Pedelecs beschäftigt.“

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Der Weg zum Binova Flow: „Da ich ein relativ hochwertiges, wenn auch altes Fahrrad, der Marke Villiger (Ontario) besitze, kam natürlich sofort die Idee, dieses umzurüsten. Im Netz waren ja genügend Umbausätze vorhanden. Dafür habe ich mich dann auch im Pedelcforum angemeldet. Auf einer Messe in Bremen habe ich den Binova Antrieb gesehen. Mich hat dann der einfache Einbau und die Tatsache, dass der Antrieb ohne Getriebe auskommt, überzeugt.

Als mein anderer Freund auch Interesse anmeldete, haben wir dann die Möglichkeit genutzt, ein Fahrrad mit diesem Antrieb für 14 Tage auszuleihen. Danach waren wir von den Vorzügen überzeugt. Allerdings gibt es aus meiner Sicht zwei negative Punkte:

  1. der relativ hohe Preis und
  2. dass wir keine Möglichkeit hatten, den Antrieb selber einzubauen.

In Ostfriesland gab es keinen Händler, der den Einbau machen konnte. Deshalb haben wir dann das Angebot genutzt, in Dresden einen Tag Urlaub zu machen. Die beiden Fahrräder wurden dann direkt beim Hersteller umgerüstet. Dabei haben wir auch die freundlichen Mitarbeiter und die Chefin der kleinen Firma kennengelernt.“

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Geballte Erfahrung nach 13 Monaten Nutzung: „Seit September letzten Jahres fahren wir jetzt mit Rückenwind aus Dresden. Mittlerweile zeigt mein Tacho etwas mehr als 5.000 Km an. Mein Freund hat etwa 3.500 Km auf dem Display. In den ersten Wochen hatte mein Display Kontaktprobleme. Aber nach einem Anruf bei Binova wurde mir sofort ein neues Display geliefert und jetzt ist alles in Ordnung.

Wenn ich so im Forum lese, denke ich, dass ich mit dem Binova den richtigen Antrieb gefunden habe. Oft geht es um defekte Getriebe. Beim Binova gibt es kein Getriebe, das kaputt gehen kann. Dafür ist das ganze System mit 11kg aber recht schwer. Durch die beiden Freiläufe kann man auch gut ohne Unterstützung fahren, aber mit dem Bio-Bike ist es halt etwas leichter.

Ein entscheidender Vorteil ist, ich kann mit dem Motor leicht von einem zum anderen Fahrrad wechseln. Das geht in knapp einer Stunde mit wenig Aufwand. Man könnte den Motor auch leicht selber einbauen, aber das will Binova nicht, die sichern sich natürlich in alle Richtungen ab. An meinen Fahrrädern sind verschiedene Schaltungen, so kann ich den Motor auch mal mit anderen Schaltungen testen. Die Rohloff ist eigentlich für das Bio-Bike wichtiger. Aber wie lange fahre ich noch Bio-Bike????

Das einzige Problem war für mich zu Anfang die geringe Reichweite. 120Km war für mich zu wenig. Ich fahre des Öfteren zu meine Schwester, und das sind hin und zurück 170Km. Aber mit dem 320W Meanwell Netzteil kann ich während der Pausen sehr schnell nachladen. Da ist es von Vorteil, dass das System nicht verdongelt ist.“ (Anmerkung Pedelecmonitor: Dazu mehr etwas weiter unten.)

„Mein Freund fährt den Bosch Antrieb. […] Nach meiner Meinung fahren beide Systeme fast identisch.“

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Unterstützungsstufen und Reichweiten: „Der Antrieb bietet 4 Unterstützungsstufen, ECO, NORMAL, HIGH, POWER und wird mit einem Dreitastenschalter bedient. Ich fahre die meisten Kilometer in der ECO-Stufe. Bei uns in Ostfriesland gibt es keine Berge, und wir waren auch im Urlaub noch nicht wieder im Süden. Nur der Wind zwingt mich manchmal, in eine höhere Stufe zu schalten und ausprobiert habe ich es natürlich. Wenn es mal den Deich hoch geht, kann man die SPEED-FUNKTION nutzen. Mit dem Druck auf die mittlere Taste, die bis 6Km/h für die Schiebehilfe zuständig ist, hat man nach ca. 2 Sekunden die volle Kraft des Motors für bis zu 5 Minuten zur Verfügung. Eine schöne Einrichtung.

In der Einstellung ECO kann ich etwa 90 – 120 Km mit einer Akkuladung fahren. Ich habe den Unterrohrakku mit 567Wh. Die Reichweitenanzeige zeigt bei einem vollen Akku 180 Km an und wird nicht jedesmal neu berechnet. Das kann man getrost vergessen. In der Stufe HIGH kann ich ungefähr 60 Km fahren, dort stimmt die Anzeige ungefähr. Leider hat die Displayanzeige für den Akkufüllstand keine Prozentanzeige sondern nur eine fünf Balken Anzeige (20% Schritte).“

Fahrprofile – genial! „Wenn wir im nächsten Jahr Urlaub in den Bergen machen werden, habe ich die Möglichkeit, im System das FAHRPROFIL HILL auszuwählen. Dafür schließt man das System über die USB Buchse an den PC und man kann unter 5 Profilen wählen, CITY, TOUR, HILL, CARGO und SPECIAL. Normalerweise fahre ich im FAHRPROFIL TOUR, weil es zwar die geringste Unterstützung, aber die höchste Reichweite einstellt. Man kann auch Fehler auslesen, die Ladecyclen usw. Außerdem kann man die USB Buchse zum laden des Handy nutzen.“

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Akku aufladen zu Hause und unterwegs: „Ein kleines Problem ist für mich das Ladegerät. Der Akku, der von der Firma Ansmann geliefert wird, wird mit 2,3 A geladen. Das reicht, wenn man in der Nacht lädt, aber auf längeren Touren ist das zu wenig. Mit dem einstellbaren Meanwell Netzgerät, das mir im Pedelecforum empfohlen wurde, ist das aber kein Problem mehr. Gut, dass das System nicht verdongelt ist. Nur die Garantie ist natürlich hin, aber die gilt für den Akku so und so nur 2 Jahre, und ob man das feststellen kann? Auf den Rest gibt es 3 Jahre Garantie. Wenn man keine langen Touren fährt ist das eh kein Problem.“

Servicearbeiten: „Service? Braucht das System nicht. Im normalen Zyklus Kette reinigen und fetten wird der Antrieb gereinigt und das war‘s.“

„Jedes Mal, wenn mein Freund mit seinem Bosch-Antrieb neben mir fährt, merke ich wieder, wie leise der Motor ist. Da ist sogar die Rohloff Schaltung lauter.“

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Auch vor der Umrüstung war RF48 viel mit seinem Villiger Ontario unterwegs!

 

Fazit: „Ich kann Binova empfehlen. Wenn man ein gutes Fahrrad hat, lohnt sich der Einbau allemal und man wird von einem freundlichen, hilfsbereiten Team betreut.

„Wenn ich nicht dieses gute alte Villinger Fahrrad gehabt hätte, wäre es sicher ein Fahrrad mit Bosch Antrieb geworden. Meine Frau fährt auch seit 4 Jahren mit Bosch. Aber nach einem Jahr mit dem Binova bin ich mir sicher, dass es die richtige Wahl war. Übrigens, mein Freund musste den Motor auch schon reklamieren. Bei ca. 12.000Km wurde der Bosch Motor, noch auf Garantie, gewechselt.“

Vielen Dank RF48 für diesen umfassenden Erfahrungsbericht. Ich teile deine Meinung, wenn ein passendes hochwertiges Bike vorhanden ist, lohnt sich der Blick in die Nachrüst-Sparte. Da dein Freund und du so zufrieden seid, scheint ihr alles richtig gemacht zu haben. Ich bin sehr gespannt, was du nach deiner ersten Alpenüberquerung mit dem Antrieb berichten wirst. Ich wünsche dir, deiner Frau sowie deinen Freunden allzeit gute Fahrt!

 

 

 

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