Ändys Raleigh Leeds Compact mit Impulse2.2 (Quick&Dirty)

Ändy (#660) hat sich für die Stadt ein compactes Raleigh zugelegt. 6 Monate und 4.000 km später gibt er seine Erfahrungen wieder. Überraschung: Der verbaute Impulse2.2 läuft wie geschmiert.

„Ich habe zunächst einmal bei Raleigh angerufen und erfahren, dass dort die Probleme bei einem geringen Prozentsatz aller verkauften Impulse Motoren in der Vergangenheit bekannt seien. Doch mit dem 2018 Modell seien diese Motoren komplett überarbeitet worden, und die Garantie des Herstellers ist auf drei Jahre erhöht worden.“

„Nachdem mein schönes KTM Trekking Bike mit mir in den letzten 12 Jahren – ohne größere Reparaturen – gut 60.000 km gerollt ist, darf es seit Februar 2018 die etwas weniger stressigen Einsätze als Zweit- und Reserverad leisten, denn das neu erworbene Pedelec – mein Raleigh Leeds Compact mit einem 11 Ah Akku – ist nun das neue Erstrad!“

Weitere Informationen zu den Spezifikationen findest du hier.

Erste Eindrücke: „Ich darf gleich zu Beginn sagen, dass ich bislang mehr als begeistert von diesem Fahrrad bin. Inzwischen (Stand August 2018) bin ich mit dem Rad 4016,7 km gefahren und kann nur sagen, es rollt und rollt.“

Impulse? „Ich war natürlich hoch sensibilisiert, nachdem mir mein Raleigh Fachhändler auf meine Nachfrage hin, warum er denn gar keinen Aussteller des Rades im Laden habe, erklärte, dass sie aufgrund der vielen Motor-Reklamationen keine Lust mehr haben, die Räder zu verkaufen und Raleigh ihnen angeboten hätte, einfach mal 10 Motoren auf Halde zu bestellen, um diese dann sukzessive tauschen zu könnten.

Daraufhin habe ich einmal gegoogelt und bin auf dieses Forum hingewiesen worden. Ich hatte – nicht gerade der feinste Zug – vor diesem Besuch meines Fachhändlers, das Fahrrad bereits bei einem Online Shop mit einigen Verkaufs- und Werkstattfilialen in der Stadt bestellt und bezahlt. Der Fachhändler hat mir immerhin damals das KTM verkaufen können. 😉 Kurz nach der Bestellung kam dann eine Mail, dass mein anvisiertes 2017 Modell von Raleigh ausverkauft sei. Wie sich später herausstellte, hatte es einen nicht mehr zu reparierenden Schaden. Das 2017 Modell war stark reduziert und ich habe mich natürlich bei der Geschäftsleitung beschwert. Unerwartet kam ein interessantes Kulanz Angebot, bei dem ich nicht nein sagen wollte. So habe ich das jetzige Rad, ein 2018 Modell, dass ich mir in Hinblick auf die Farbe und Rücktrittbremse frei auswählen konnte, 500 € unter Listenpreis erhalten. Allein, das ist natürlich auch noch viel Geld (für so wenig Fahrrad), doch so günstig werde ich das Teil wohl nicht wieder erhalten.

Ich habe zunächst einmal bei Raleigh angerufen und erfahren, dass dort die Probleme bei einem geringen Prozentsatz aller verkauften Impulse Motoren in der Vergangenheit bekannt seien. Doch mit dem 2018 Modell seien diese Motoren komplett überarbeitet worden, und die Garantie des Herstellers ist auf drei Jahre erhöht worden.“

Lieferung und Aufbau: „Als das Rad geliefert wurde, war erst einmal der Karton halb offen. Doch nichts fehlte und das Rad war schnell von mir montiert und fahrbereit. Akku laden und dann erst einmal zum Händler, da ich nicht ganz genau wusste, wie der Lenker korrekt gerade eingestellt wird und ich keinen Schlüssel mit Drehmoment Anzeige besitze. Dort wurde alles schnell eingestellt, allerdings hier ebenfalls ohne Drehmomentschlüssel. Nach 300 km kam ich dann noch einmal zur Erstinspektion, bei der ein Quietschen, welches beim Treten der Pedale auch ohne Motorbetrieb hörbar wurde, beseitigt wurde. Zudem hatte ich den Eindruck, dass sich nach der Erstinspektion der Schwellwert, an dem die Unterstützung aufhört, von 25 km auf 27 km erhöht hat. Zudem stellte sich noch nach einiger Zeit heraus, dass beim vorderen Scheinwerfer das Standlicht nicht funktionierte. Mir wurde zunächst ein neuer Scheinwerfer der gleichen Marke ohne Standlicht eingebaut. Das habe ich sofort bemerkt, woraufhin 2 Stunden Warten angesagt waren und ein Scheinwerfer einer anderen Marke mit funktionierendem Standlicht eingebaut wurde.

Mehr Ärger gab es bislang noch nicht mit der Hardware. Ich selbst habe inzwischen bereits 2 mal die Kette nachgespannt, da bei lockerer Kette diese an eine Schraube für den Kettenschutz kommt, was zu klacker Geräuschen führt. Außerdem wird die Kette jetzt alle 200 km gesäubert und ca. alle 700 km geschmiert. Das habe ich beim Ansehen verschiedener YouTube Videos zur Kettenpflege gelernt, in denen die Kette nie schwarz war. Aha! Also meine Kette ist nun immer noch so blank, wie am ersten Tag.

Später werde ich mir noch einen Pedalhebel Abzieher zulegen müssen, da vor Ausbau des großen Zahnrades der rechte Pedalhebel abgenommen werden muss. Super fand ich es auch, dass es im Internet ein Original Werkstatt Handbuch von Derby Cycle von 2014 gibt, mit dem Titel: Werkstatthandbuch Impulse Service Unit. Hier werden alle möglichen Demontagearbeiten beschrieben, die man z. T. auch selbst ausführen kann. Insbesondere dann, wenn die Garantie abgelaufen ist. Eines sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass bei 1853,5 km sich der Tacho unvermittelt wieder auf 0000 zurück setzte. Da dachte ich mir, erst mal abwarten, wie es beim zweiten Durchlauf nach > 1800 km aussieht. Nun hält der Tacho seinen Wert. Deswegen wollte ich lieber nicht die Werkstatt an dem Gefährt herumpfuschen lassen. Immerhin hätte ich dann längere Zeit
das Rad nicht zur Verfügung und müsste es hinbringen und wieder abholen.“

So wird das Raleigh benutzt: „Das Fahrrad wird von mir viel gefahren und ich führe eine genaue Statistik, die mir Auskunft über die Ladezyklen und die gefahrenen km gibt. Ich habe jetzt bei 4016,7 gefahrenen Kilometern 17,92 Ladezyklen erreicht. Das erklärt sich u. a. damit, dass ich die Unterstützung nur bergauf benutze (auch bei geringen Steigungen), kurz zum Beschleunigen und generell wenn ich zu faul bin bzw. ich es eilig habe. Was mir aufgefallen ist, ist dass das Ladegerät immer recht warm wird beim Laden. Ich hoffe nur, dass dies nicht ein Hinweis auf geplante Obsoleszenz ist. Bedauerlicherweise kann ich das Ladegerät nicht öffnen, um mal nachzusehen, ob die Bauteile mit Kühlschellen versehen sind, da ich mir zunächst einen spezial Torx Schraubendreher besorgen müsste.“660_aendy_06-e1537041405213.jpeg

Fazit: „Insgesamt ist das Fahrrad sehr hochwertig verarbeitet und mit guten Komponenten ausgestattet. Es hat keine Federung, was allerdings durch die Big Ben 20 Zoll Bereifung perfekt ausgeglichen wird. Dieses Compact Rad ist kein Mountain Bike. Es ist daher optimal für die Straße und weniger für Geländefahrten konzipiert. Durch die Rücktrittbremse wird die Bremsanlage insgesamt entlastet und kostspielige Wechsel von Bremsbelägen, sowie der Ersatz der Felge verbunden mit dem Ausbau der 8 Gang Nabenschaltung bzw. des Nabendynamos wird absehbar wohl nicht so schnell auf mich zukommen. Bei meiner Fahrleistung war dies durchaus ein Grund für die Überlegung, das Modell mit Rücktritt zu wählen. Lenker und Sattel lassen sich großzügig in der Höhe verstellen. Größeren Menschen rate ich aber doch dazu im Laden zu testen, ob sich das Fahrrad optimal auf die Körpergröße einstellen lässt.

Es gibt ein Konkurrenzprodukt, dass einiges mehr kostet (über 2.700 – 3.000 €) von i:SY. Dieses Fahrrad wird wahlweise mit Karbon Riemenantrieb angeboten. Es hat nahezu die gleiche Ausstattung und wird zur Zeit von einem BOSCH Mittelmotor Gen.3 „Active Line PLUS“ angetrieben. Das Raleigh Leeds Compact ist im Prinzip eine Kopie des i:SY. Der Hersteller hat sich dieses Design offensichtlich nicht ausreichend patentieren lassen. Derby Cycle bietet das Compact Rad noch baugleich als Kalkhof Variante an, die in mehreren bunten Farben erhältlich ist.

Man hört ja immer wieder von Fahrrad Puristen, das E-Bikes etwas für Senioren seien. Ich denke, es ist gerade für junge Menschen die Alternative zum Auto. Besonders in der Stadt macht ein E-Bike Sinn. Man kommt schnell von A nach B und hat je nach Einsatz der Unterstützung einen großen Radius, ohne jeden Tag den Akku laden zu müssen, zumindest solange der Akku noch keine 500 Ladezyklen hat. Für Regenwetter gibt es gute Outdoor Kleidung, lediglich sollte man bei Glätte defensiv fahren, da bei der erhöhten Geschwindigkeit Stürze sehr gefährlich werden können. Ein Thema das nicht nur bei E-Bikes zu beachten ist. Abschliessend sei angemerkt, dass ein E-Bike gleich welcher Marke, immer nur so gut sein kann, wie es gepflegt wird.“

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Vielen Dank Ändy für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Gerade in der Stadt spielen die kleinen Compacten ihre Stärke aus. Pro Woche sehe ich übrigens mehr als 10 I:SYs auf meinen Pendelstrecken. Zumeist nehmen die von mir angesprochenen Biker ihre kleinen Räder per Wohnmobil mit in den Urlaub oder aber sind damit per Bus&Bahn unterwegs. Ich finde, es sind kleine Lastesel, die ich sehr lange zu Unrecht unterschätzt hatte.

Mehr über Ändy auf seiner Seite:

 

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