BoBike Junior Classic – 2 Jahre im Einsatz

Wer kleine Kinder hat, steht oft vor der Herausforderung, sie vor, hinter oder auf dem Bike zu transportieren. Die Lösungen sind vielfältig, Kinderanhänger oder Kinderschalensitze gibt es zuhauf und in jeder Preisklasse. Doch eines darf man nicht vergessen.

Kinder wachsen und werden größer und schwerer – alle gleichzeitig! Ja echt!

Schnell ist die Kindersitzschale zu klein oder der Anhänger überladen – und jetzt? Selber fahren lassen geht meistens – doch wehe der Wohnort besteht nur aus steilen Straßen.

Bis zum Alter von 3 oder 4 Jahren gibt es Fahrradkindersitze in allen erdenklichen Formen und Farben, individuell kann so die Art der Kindererziehung, die eigene politische Weltanschauung oder aber der Hippness-Faktor nach außen kommuniziert werden. Doch für ältere wird die Auswahl dann schon sehr dünn.

Unsere Anforderungen an den Sitz sind:

  • Der Fahrradsitz soll kein Vermögen kosten.
  • Er muss auf ein vorhandenes eMTB montierbar sein.
  • Er sollte eine Lehne haben.

Eine mögliche Lösung für uns war der BoBike Junior Classic, auf dem große Kinder bis zu einem Gewicht von 32kg transportiert werden können.

Fast drei Jahre lang war er mit einer 8-monatigen Unterbrechung im Dauereinsatz an zwei unterschiedlichen Bikes montiert – die Vorteile, die Nachteile und das Fazit findest du hier in einem kompakten Bericht.

Auspacken

Schön und solide sieht der Sitz beim Auspacken aus. Die mitgelieferten Teile sind überschaubar. Eine Anleitung liegt auch bei, also los geht’s. Beim hochheben stellt man schnell fest, dass der Sitz über 5kg wiegt. Die Fahrdynamik insbesondere auf MTBs wird nie mehr dieselbe sein!

Aufbau und Anbau

In diversen Testberichten und Kundenmeinungen steht es bereit geschrieben – unterirdisch dokumentiert und ein einziges Gefummel, insbesondere wenn man nur lumpiges Werkzeug hat. Ist es aber erst geschafft, darf man wirklich stolz auf sich sein … oder man muss noch mehrmals Nachjustieren, weil es irgendwie noch nicht recht passt und die Sitzfläche mal schräg nach hinten oder nach vorne abhällt – hier wären zwei Personen schon hilfreich – einer schaut ob es passt und der andere schraubt schnell fest.

Zum Schutz des Rahmens gibt es an den Schellen, die am Hinterbau befestigt werden, eine Gummieinlage. Anmerkung: Ich empfehle dennoch ein Stück alten Fahrradschlauch zusätzlich dazwischenzulegen! Die Kräfte auf die Schellen bei einem 30kg Kind und schlechter Straße sind enorm!

Beigelegt sind außerdem zwei Schutzflächen, die verhindern sollen, dass Kinderfüße in die Speichen geraten. Ich hatte diese nicht montiert, aus optischen Gründen. In den zwei Jahren sind zweimal Kinderschuhe in die Speichen gekommen – beide Male beim Anfahren, als das Kind auf dem Sitz rumgehampelt hatte und nicht angeschnallt war (mehr dazu etwas später).

Bobike_Junior_Classic_Bike14

Die tägliche Nutzung

Sehr schnell ist feststellbar, ob die Schrauben alle ordentlich angezogen wurden, ansonsten fangen die Schellen am Hinterbau an, nach unten zu rutschen, was die sonst ebene Sitzposition nach hinten abfallen lässt. Dazu kommt dann mehr Zugspannung auf die vordere am Sattelrohr befestigte Plastik-Halterung, die dadurch brechen kann. Wurde alles fest verschraubt oder korrigiert, kann’s losgehen.

Der Deckel lässt sich spielend leicht öffnen – Klick! Über die Fußrasten kann das Kind bequem allein nach oben klettern, sofern man das Bike gut festhält. Nach dem Anschnallen kann der Gurt mit ein wenig Gefummel in der Länge angepasst werden. Die Plastikschnall – oder auch Gurtschloss ist wenig vertrauenserweckend. Doch mittlerweile weiß ich, wozu dieser Gurt eigentlich da ist, weniger als Schutz bei einem Sturz, sondern viel mehr, dass das Kind bei der Fahrt und beim Bremsen nicht Hin- und Herrutschen kann.

Bobike_Junior_Classic_neu03

Nach der Fahrt kann der oft zu lange Gurt einige Male um den Stahlbügel gewickelt werden, bevor dann der Deckel zugeklappt wird – Klick!

Der „Gepäckträger“ ist … naja … in einigen wenigen Fällen sinnvoll. Man kann einen Rucksack draufstellen, mehr aber auch nicht. Für das Festmachen ist stets ein Spanngurt oder -band mitzuführen.

Fahrten im zusammengeklappten Zustand, also ohne Kind drauf, verändern ebenfalls die Fahrdynamik sehr, wahrscheinlich sind es einfach die 5kg Mehrgewicht auf der Hinterachse. Wer oft freihändig fährt, der kann es mit dem BoBike Junior vergessen! Der Lenker und der Rahmen fangen an zu flattern!

Was man auf keinen Fall machen sollte!

Tja Fehlbedienungen passieren, manchmal ohne und manchmal mit Konsequenzen.

  • Das Kind nicht angeschnallt allein auf dem Sitz lassen, ohne das jemand das Bike festhält. Gleiches gilt für das Auf- und Absteigen ohne Elternteil dabei. Wir hatten keine Stürze, aber allein das Gezappel auf dem Sitz, wenn das Kind nicht angeschnallt ist und du das Fahrrad nur hältst, macht dir bewusst, welche Kräfte du aufbringen musst, um das Fahrrad gerade zu halten.
  • Die Lehne ist zum Anlehnen da, nicht zum Festhalten beim Auf- und Absteigen. Nach hinten kann die Lehne gedrückt werden, da passiert nix! Doch nach vorn sollte sie nicht gezogen werden, nur zwei kleine Plastiknasen verhindern, dass die Lehne wieder zuklappt. Die beiden Plastiknasen nutzen sich bei gewaltvollem Schließen, ohne den Mechanismus zu betätigen sehr schnell ab.
  • Den Gurt immer – IMMER IMMER IMMER – IMMER! zumachen, egal, ob ein Kind drauf sitzt oder nicht. Wenn nicht, kommt das Ende in die Speichen. Na? Was passiert dann? Nachdem der Gurt in den Speichen klemmt und das Bike noch rollt, dreht sich der Gurt um die Achse des Hinterrades und zieht den ganzen Sitz nach unten. Dabei wird auch die vordere Halterung am Sitz selbst verbogen, auch wenn sie aus stabilem Stahl ist. Das sieht dann ungefähr so aus:bobike_junior_classic_bike01.jpg

Ich habe stets darauf geachtet – immer! Nur nicht das eine Mal, weil es schnell gehen musste. Das Ergebnis dieses äußerst blöden Mißgeschicks war die Zerstörung des Sitzes – doch vorerst konnte ich das verbogene Stück zur Sattelstange noch einmal gerade biegen.

Allerdings musste der Gurt abgeschnitten werden, also ein halbes Jahr ohne Anschnallen die Kinder transportieren. Und? Richtig, bei dem Gezappel und Gehampel und Gedrehe kamen die Kinderschuhe ins Hinterrad … jeweils beim Anfahren, außer einem Schreck war nichts passiert.

Doch irgendwann wurde der Sitz instabil. Ein Blick unter den Sitz brachte die Ursache ans Licht. Die Schweißnahm war gebrochen, siehe rechts von den unteren Nieten.

Bobike_Junior_Classic_alt08

Die zwei Winter in denen der Sitz genutzt wurde, gingen ebenfalls nicht ohne sichtbare Spuren vorbei. Das vom Hinterreifen hochgespritzte salzhaltige Wasser hat sicherlich enorm zur Rostbildung an den Stahlteilen beigetragen.

Gleiches gilt auch für die Halterung an der Sattelstange und die beiden Schellen, welche am Hinterbau waren.

Der Sitz selbst hat auf der Sitzfläche oder den Außenseiten kaum Abnutzungsspuren.

So sieht das Bike nach einem Jahr Nutzung aus

Im Grunde sollte die Montage eines Kindersitzes ja keine Spuren hinterlassen. Das war so bei unseren Römer-Sitzschalen, so wird es auch beim BoBike Junior Classic sein.

Autsch. Die zwei Plastik-Abstandshalter an der Sattelrohrbefestigung schienen mit der Zeit langsam nach unten zu wandern. Zu sehen ist das am Sattelrohr an den zwei parallel verlaufenden verkratzten Stellen.
IWie im letzten Bild zu sehen, wäre ein Stück alter Schlauch dazwischen besser für den Lack gewesen! Und der Hinterbau?

Doppel-Autsch! Die Kräfte waren so groß, dass sich die Schellen durch den kleinen Gummi gearbeitet hatten und anschließend Halt im Lack bzw. Stahlrahmen fanden. Das fehlende bzw. abgerubbelte Material erklärt auch, weshalb ich die Schellen einmal Nachziehen musste.

Ich bin ganz froh, dass ich mit meinen im Alltag genutzten Gegenständen nicht so penibel bin, ansonsten wäre ich stinksauer!

Kaputter Sitz – was nun?

Bilder sprechen tausend Worte. Ich hatte es bereits in der Einleitung gesagt, die Auswahl an geeigneten Kindersitzen für ältere Kindergarten- oder junge Schulkinder ist sehr überschaubar.

Trotz der negativen Punkte haben wir uns ein weiteres Mal für diesen Sitz entschieden. Im zusammengeklappten Zustand ist er am Bike optisch unauffällig und in der Nutzung, macht er das, was er machen soll – die Kinder von A nach B bringen, ohne das sie runterfallen. Ein Regen- bzw. Dreckschutz über den Sitz empfehle ich trotz Zusammenklapp-Technik dennoch!

In der jetzigen Version sind die Speichenschützer dabei, die ich dieses mal auch montiert habe. Das kleinste Kind wird erst drei, da möchte ich sicher sein, dass die kleinen Füsschen nicht in die Speichen kommen.

Als Fazit kann ich sagen, dass der Sitz für Mitnahme eines Kindes auf den täglichen Routen bis ca. 5km mehr als ausreichend ist. Für knappe 70 Euro bekommt man nirgends sonst solch eine gute Mitnahmelösung.

  • Ein Lastenrad kostet gleich 5.000 Euro.
  • Eine Tandemstange ist ein einziges Rumgeeier und auf unseren Straßen und Radwegen nicht praktikabel.
  • Bleibt noch ein FollowMe oder ein entsprechender Anhänger, doch das Kind ist auch nicht immer mit dem Bike unterwegs und der Anhänger nicht immer dabei, wenn man grad von der Arbeit kommt.

… bleibt also nur wieder – ja genau! –  DER KINDERSITZ!

Bevor ich es vergesse, nach wenigen Wochen im Betrieb fängt der zusammengeklappte Sitz an, bei schlechten Wegen zu klappern. Das wird mit der Zeit leider nicht weniger sondern eher immer lauter werden. C’est la vie!

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