Richertos Riese&Müller Charger Nuvinci HS mit Bosch Performance Speed (10.000km+)

Richerto (#83) der Schrauber ist ein Melder der ersten Stunde. Nach nun 24 Monaten Nutzung gibt er seine Erfahrungen der letzten 12.000km seines Riese&Müller Chargers wieder. Eine sehr interessante Zusammenfassung, denn es sind viele Statements zur NuVinci und zum Nyon enthalten.

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„Eine Abfahrt mit 72 km/h brachte den Rahmen, die XT-Bremsen und mich nicht in Verlegenheit.“

Der Fahrer und das Bike: „Ich, inzwischen 64 Jahre alt, bin seit Anfang Mai 2016 stolzer Besitzer eines Riese&Müller Charger Nuvinci HS das bis 45 km/h unterstützt. Ausgestattet mit einem

  • Riemenantrieb (Nuvinci M380 mit Gates),
  • 500 Watt Akku,
  • gefederter Sattelstütze („by Schulz G1“ ,ab Werk mit 5 verschieden harten Federn),
  • guter Luftfedergabel,
  • langes Bordo Schloss, Lenkertasche,
  • Flaschenhalter, Bordwerkzeug, kleine Trägertasche,
  • Combi-Klickpedale,

das damit stolze 32 kg auf die Waage bringt. Als Sonderzubehör kam noch das Nyon Display und ein Zweitakku mit 500 Wattstunden dazu, da gerade meine Urlaubsreisen fast immer Tages-Etappen von über 100 km sind.

 

Weitere Informationen zu den Spezifikationen findest du hier.

„Das Fahrrad stellte sich als sehr stabil heraus und war auch mit 18 kg Gepäck und meinen 65 kg nicht aus der Ruhe zu bringen. Eine Abfahrt mit 72 km/h brachte den Rahmen, die XT-Bremsen und mich nicht in Verlegenheit. Die Aufhängung des Motors ist beim Charger sehr massiv, sodass der Motor recht leise wirkt. Bisher habe ich bis Ende April 2018 ca. 12.000 km zurückgelegt, obwohl ich es nur für größere Touren und Urlaubsreisen benutzte.“

Die Nabe und der Wirkungsgrad: „Die Übersetzung der Nabe liegt bei 2,43 bis 9,23 m. Damit ist eine Geschwindigkeit von 45 km/h eigentlich problemlos möglich, aber selbst im Turbo-Modus konnte ich sie fast nur im Wiegetritt erreichen bzw. nur für kurze Zeit halten. Auch so richtig bergtauglich ist diese Übersetzung trotz Motor nicht. Obwohl meine Zugabe an Tretleistung laut Nyon bei normaler Fahrt bei 170 bis 200 Watt liegt, fällt es mir schwer, länger in der Nähe von 40 km/h zu fahren.

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Eine Leistungssteigerung zwischen Sport und Turbo Modus konnte ich nicht wirklich feststellen. Die Reichweite liegt bei Überlandfahrten im fast reinem Eco-Modus und Max 30 km/h bei 80 km. Die Nuvinci Nabe lässt sich sehr angenehm schalten, aber unter Last ist  ein großer Kraftaufwand nötig und auch nicht sinnvoll auf Dauer. Der Riemenantrieb erwies sich als absolut alltagstauglich und hatte auch nach 10.000 km keinerlei Verschleißerscheinungen.

Da bei höheren Geschwindigkeiten (ab 35 km/h) sehr viel Eigenleistung erforderlich ist, und auch das fahren ohne Unterstützung nicht wirklich Spaß macht, habe ich ein bischen im Internet recherchiert und heraus gefunden, dass die Nuvinci Nabe einen recht schlechten Wirkungsgrad (ca. 85%) hat, und gerade in den Randbereichen nur etwa 78% (gegenüber Kette und Rohloff 95 bis 97%) erreicht.

Dieses fällt beim normalen Pedelec nicht so sehr ins Gewicht da dieses viel kürzer übersetzt und langsamer ist. Aber beim HS kommt man im Gebirge und bei hoher Geschwindigkeit schnell mal in die Randbereiche. Auch Fallbrook gibt an, dass die Nuvinci einen Mehrverbrauch von 5% an Energie hat, was in der Praxis wohl aber einiges mehr sein dürfte.

Nach langer Überlegung habe ich mich jetzt dazu Entschieden die Nuvinci Nabe gegen eine Rohloff zu tauschen.

Dieser Umbau erwies sich als absolut richtig, gefühlt fahre ich jetzt mit und ohne Unterstützung 2-3 km/h schneller und leichter. Der Energieverbrauch liegt immer noch bei 80km im Eco Modus, aber bisher war die Witterung noch recht kalt, und die Akkus sind schon über zwei Jahre alt, sodass ich dazu keinen hundertprozentigen Vergleich ziehen kann.

Die Prämisse liegt bei mir, eine Reisegeschwindigkeit von ca. 30 bis 35 km/h im Eco oder höchstens im Tour-Modus zu halten, um mit einer Akkuladung weiterhin 70 bis 80 km zu erreichen. Ich möchte bei Tagestouren nicht immer den Ersatzakku mitschleppen. Das scheint mit der Rohloff zu klappen.“

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Der Motor: „Der Bosch Motor selbst scheint recht standhaft zu sein. Im März 2018 bei ca. 11.500 km fiel mir aber ein leichtes Knarzen im Antrieb auf, das sich aber nur im Leerlauf bzw. bei ganz geringer Last und ohne Unterstützung bemerkbar machte. Ich konnte im Motor aber nichts finden, was die Knarzgeräusche verursachen könnte. Alle Lager waren sauber, spielfrei und leise. Nach dem Zusammenbau und ein bischen mehr Fett sind die Geräusche für kurze Zeit nicht mehr aufgetreten. Ich bin weiterhin auf Ursachensuche.“

NACHGEFRAGT – MOTORARBEITEN: „Ich habe als Schuljunge schon damals immer an Fahrrädern herumgeschraubt, und alle Reparaturen selber durchgeführt, das ist bis heute so geblieben. […] Ich habe mir einen Satz Orginal Lagerschutzringe mit Fett von Bosch gekauft, ca. 14€ bei Bike 24, das ist auch das gleiche Fett was innen verwendet wird, dann mal gegoogelt den Motor aufgeschraubt.“

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Die Bedieneinheit Nyon: „Das Nyon Display hinterließ anfangs bei mir einen recht zwiespältigen Eindruck. Der Sattelitenempfang war sehr schlecht, einmal den Empfang verloren konnte man es in den seltensten Fällen dazu bewegen, den Empfang wieder aufzubauen. Meistens waren mehrere Neustarts erforderlich, sehr nervig!

Auch die Adresseingabe auf dem Nyon war und ist noch eine Zumutung. Mit einem Smartphone gekoppelt ist die Eingabe schneller und komfortabler, aber die Übertragung klappte nicht immer. 

Beim Routing kann man zwischen drei verschiedenen Streckenprofilen wählen: SCHNELL, KURZ und SCHÖN, wobei die ersten beiden fast immer gleich waren, und SCHÖN waren Strecken und Wege, die teilweise auf einer Wiese, vor einem Gatterzaun oder irgendwo im Nirvana endeten, oder aber mit einem Tourenrad gar nicht erst befahrbar waren.

Sinnvoll ist es wirklich nur die Touren am PC zu planen (z.B. Komoot oder auf der Nyon Homepage „www.ebike-connect.com„) und auf das Nyon zu übertragen. Nach einem Update war vieles besser geworden, aber ein gutes Fahrradnavi (mein Garmin Montana) kann es meiner Meinung nach noch nicht ersetzen. Das Nyon ist mir auch schon unterwegs mehrere Male abgestürzt, konnte es aber immer wieder zum Leben erwecken.

Das Display, die Ablesbarkeit, die Tools als Fahrrad-Computer und die Routenführung sind allerdings Top. „

NACHGEFRAGT -PROBLEME MIT DEM NYON: „Das Nyon ist vielleichtz dreimal richtig abgestürtz. Es waren nur noch Streifen oder Klötzchen auf dem Display zu sehen. Die ersten Male reichte ein Abnehmen von der Halterung und erneutes Aus- und Einschalten. Beim letzten Mal musste ich es resetten, gleichzeitig alle 4 Tasten (inklusive Joystik) für ca. 5 sek. drücken. Zwei bis dreimal hat das Nyon auch während der Fahrt einen Neustart vollzogen. Das letzte Update gab es ca. April 2017, mein Händler hat mir jetzt aber das komplette Betriebssystem erneuert. Mal schauen wie es sich weiter verhält.“

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Fazit:Insgesamt finde ich, ist das Charger ein sehr gutes robustes und ansprechendes Fahrrad mit einem guten Motor. An Verschleißteilen bisher bei 7.500 km nur die Bremsbeläge gewechselt. Nur die Nuvinci passt meiner Meinung nach nicht so richtig zur Speed Variante.“

Vielen Dank Richerto für diese detailreichen Informationen zur Nuvinci und zum Nyon. Gerade zu diesen beiden Themen fehlt noch echtes Biker Feedback in Foren und Social Media Gruppen – damit trägst du eine wirkliche Bereicherung bei. Ich bin sehr gespannt auf die kommenden Eindrücke von der Rohloff – allzeit gute Fahrt!

Alle Kilometerstände der Bosch Mittelmotoren.

Weitere Erfahrungsberichte:

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